20. August 2007

Hong Kong ... ist NICHT China!

Endlich ist sie vorbei, die stressigste Woche überhaupt. Chef fliegt nach Deutschland und braucht tausend Sachen. Und alles muss noch hundert Mal geändert werden, mit den Kollegen in Deutschland diskutiert werden etc. Und das dauert. Und dann wollen die Kunden noch einige Infos vorab haben. Arbeitszeit: Montag & Dienstag bis 20 Uhr, Mittwoch 21 Uhr, Donnerstag 23 Uhr ... Freitag: Zum Glück geht der Flug schon um 19 Uhr, also Schluss um 16.30 Uhr. Endlich. Mit 430 km/h gehts mit der Maglev raus an den Flughafen... und was sagen die? Evtl. Keine Landung in Hong Kong möglich, weil Taifun. Na super. Aber nachdem ich vom Flughafen aus noch einen tollen Sonnenuntergang sehe, gehts dann doch pünktlich los. Über Hong Kong müssen wir dann ein paar Runden drehen – durch die Wolkendecke sieht man immer wieder das orange und gelbe Licht der Stadt, manchmal die unzähligen Hochhäuser, beleuchtete Straßen und Brücken. Sieht toll aus. Dann der holprige Anflug zur Landung – ok, das Wetter ist nicht gut. Auf dem Boden angekommen, sind auch überall Schilder mit Taifunwarnung aufgestellt.

Mit einem dieser typischen Doppeldeckerbusse gehts in die Stadt – sieht echt klasse aus. Überall hohe Häuser mit unzähligen kleinen Lichtern ... ich glaub, Hong Kong gefällt mir. Doch das sollte sich schlagartig ändern, als ich am Hostel ankomme. Auf der Straße und vor dem Gebäude sitzen überall Inder und Afrikaner – ich werd als Blondine dementsprechend angestarrt. Der Eingang des Hostels ist kaum zu finden. Und das Hostel sieht auch ziemlich heruntergekommen aus. Besser gesagt die Hostels. Irgendwie scheinen die alle dem selben zu gehören, auf jeden Fall zahle ich für einen anderen Namen als ich gebucht hab und als ich dann untergebracht bin. Da es in den Mehrbettzimmern keine Schließfächer gibt, muss ein Einzelzimmer her – der Firmenlaptop sollte dann doch nicht verschwinden! Luxuriös ist was anderes: Das Zimmer ist so klein, dass grad mal die Tür aufgeht und der Trolley auf dem Boden Platz hat. Das Bett ist ein Holzbrett mit dünner Auflage, die Decke sieht nicht unbedingt appetitlich aus – also muss wohl das Handtuch als Decke herhalten. Und dann die Dusche: geduscht wird auf der Toilette, die grad mal so groß ist, dass man sich darin umdrehen kann. Das Waschbecken ist so klein, dass man sich mal grad so mit Müh und Not die Hände waschen kann, und nach dem Duschen steht natürlich alles erst mal für ein paar Stunden unter Wasser. Ok, 2 Nächte werd ich überleben... Nachdem ich über eine Bekannte, die ich zufällig im Hostel getroffen hab, auch ein paar andere Freunde aus Shanghai treffe, besprechen wir noch kurz den Plan für Samstag – und falle hundemüde ins Bett. Als ich aufwache: eine fette Kakerlake im Zimmer. Willkommen in China – was fast allen schon in China passiert ist, muss ich in Hong Kong erfahren ... naja, egal, wird mich nicht umbringen, das Vieh.

Da es schüttet wie aus Kübeln, frühstücken wir (Sebastian, Ronny, Rene, Sandra und ich) erstmal gemütlich – ok, den Umständen entsprechend, bei McD –, bevor es wieder raus in den Regen geht. Die Jungs wollen nach Macao, sie haben ja die letzten Tage schon Hong Kong im Regen gesehen. Sandra fährt in den Süden der Insel, und ich mach mich auf den Weg nach Hong Kong Island, den Business District. Das Wetter ist besser, und von der Star Ferry aus sieht man schon die gigantische Skyline der Stadt. Ich ziehe durch Häuserschluchten, ultramoderne Einkaufspassagen, traditionelle Märkte mit Jade, Stempeln, und allem möglichen Krimskrams, kleinen Tempeln, enge Straßen usw. Überall sieht man die Doppeldeckerbusse und –trams, die der Stadt schon irgendwie ein britisches Flair verleihen. Überall, und wirklich überall, sind unzählige Menschen auf der Straße, obwohl das Wetter eigentlich gar nicht so toll ist. Und dann die Autos: ja, es gibt viele schöne und teure Autos in Hong Kong... Porsche, Ferrari, Mercedes, BMW – alles nur vom Feinsten!

Achja, und es ist Linksverkehr in Hong Kong. Gar nicht so einfach, sich daran zu gewöhnen ... da schaut man beim Überqueren der Straße schon mal auf die falsche Seite zuerst!

Weiter gehts auf die längste Rolltreppe der Welt – 800 Meter lang, führt sie quer durch die Stadt und den In-Distrikt Soho hinauf in die Midlevels, wo die betuchteren Leute wohnen... vorbei an stylischen Bars und Restaurants. Nicht allzu weit davon entfernt, mitten im Zentrum, steht dann auch das Bürogebäude, wo ich die nächste Woche arbeiten werde. 70 und nochwas Stockwerke – gut, nicht ganz so stylish, aber ich muss ja dort auch arbeiten... und gleich um die Ecke, versteckt zwischen den Wolkenkratzern, eine kleine Kathedrale. Verrücktes Bild.

Nächstes Ziel ist Wan Chai, wo ich mit der Tram hinfahre. Hat schon was... Am Exhibition Center steht die Baudina in Gold, das Nationalsymbol Hong Kongs, die seit der Unabhängigkeit von Großbritannien auch deren Staatsflagge ziert. Hier von der Waterfront aus hat man einen super Blick rüber nach Tsim Sha Tsui, wo mein Hostel ist – die Skyline ist nicht ganz so beeindruckend, wie die von Hong Kong Island, aber auch nicht übel... außerdem sieht man von hier auch sehr gut über die Küste von Hong Kong Island mit ihren unzähligen Wolkenkratzern.

Mit der Star Ferry fahre ich wieder zurück auf die andere Seite und gönne mir eine kleine Pause, bevor ich die anderen treffe, um die Lasershow anzuschauen. Zum Glück hört der Regen auch rechtzeitig dafür auf, und die Wolken machen die Spitzen der Wolkenkratzer frei. Die Skyline bei Nacht ist genial, ich hab bis jetzt keine beeindruckendere gesehen. Ok, die Lasershow mit Musikuntermalung und Feuerwerk hab ich mir besser vorgestellt, aber man kann nicht alles haben!

Zeit wirds für ein gutes Abendessen, das wir dann im Weggehviertel Lan Kwai Fong in einem Malayischen Restaurant einnehmen. Sehr sehr lecker. Und rein ins Nachtleben Hong Kongs, mit Straßen voller Bars und Leuten...

Am Sonntag laufen wir gemütlich durch die Stadt und das ein oder andere riesige Shopping Center – Hong Kong lässt da keine Wünsche offen. Ein Shoppingparadies – sofern man das Geld dazu hat! Billig ist es nicht, auf keinen Fall chinesisches Niveau, sondern europäisches! Und den europäischen Einschlag bemerkt man auch sonst überall. Kein chaotischer Verkehr wie in China, die Leute sind zivilisierter und überhaupt nicht mit Menschen in China zu vergleichen. Wir fühlen uns schon wie zuhause in Europa. Nichts gegen die Chinesen – aber Europäer haben eben doch andere Standards. Am Bus etc. wird Schlange gestanden, nicht einfach reingequetscht. Man wird nicht angerempelt, und wenn doch, wird sich entschuldigt. Keiner spuckt auf der Straße rum. Die Stadt ist extrem sauber. Und noch einige andere Kleinigkeiten, die einem nach ein paar Monaten in China doch wieder sehr positiv auffallen. Und da merken wir erst, wie sehr wir uns schon an das chinesische Verhalten angepasst haben... Einem, der direkt aus Europa kommt, mag die Stadt chinesisch vorkommen – für jemanden, der China kennt, ist sie europäisch.

Wir beenden unsere Shoppingtour und machen uns auf den Weg zur Insel Lantau, wo einerseits der Flughafen ist, die andererseits eine richtig grüne Insel ist, mit vielen Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Mit dem Bus geht es quer durch die Insel, vorbei an schönen Stränden, bergauf bergab durch grüne Hügel – wann haben wir das letzte Mal so viel Grün gesehen?! Und dann kommen wir auch irgendwann an, am größten Buddha der Welt. Wegen dem Nebel und den Wolken kann man ihn am Anfang gar nicht erkennen, doch langsam wird die Sicht besser. Über 100 Stufen führen hinauf zu dieser riesigen Statue. Schon beeindrucken! Von dort oben hätte man – bei schönem Wetter, einen fantastischen Blick über die Insel und die Hügel, aber leider fängt der Regen schon wieder an... etwas genervt und total durchnässt machen wir uns auf den Rückweg... wie schön wär es hier am Strand bei Sonnenschein... kann man nichts machen. Die Jungs müssen zum Flughafen, und ich fahre zurück auf die Insel und ins – jetzt – Hotel. Um einiges besser als das Hostel.

Die Woche über ist das Wetter leider nicht besser. Aber da ich tagsüber eh in der Arbeit sitze, ist das verkraftbar. Nur leider nutzt dabei die gute Aussicht aus dem Büro im 51. Stock auch nicht viel ... mitten im Zentrum mit Blick über Skyline und Hafen, auf der anderen Seite auf die Hügel mit den vielen Hochhäusern. Am Freitag lichten sich die Wolken und der Nebel – und wow, die Aussicht ist echt fantastisch!! Die Häuser, die sich den Berg hochreihen, die grünen Hügel, die vielen Hochhäuser, so weit das Auge reicht. Hong Kong ist schön. Auch abends, wenn ich nach der Arbeit durch die Straßen laufe. Ich werde zwar regelmäßig nass, aber was solls. Geschäft reiht sich an Geschäft, dann wieder die traditionellen Märkte auf der Straße – Fisch, Meeresfrüchte, Obst, Gemüse. Oder dann die Märkte mit der vielen billigen Markenware. Und überall die neonfarbenen Reklameschilder, die auf unzählige Shops, Restaurants und Bars aufmerksam machen. Dann das leckere Essen in den Restaurant und den Straßenläden. Ok, Preise nicht mit denen Shanghais vergleichbar, leider. Ich glaub, ich muss hierbleiben..... ein Wochenende bleibt noch, und da wird das Wetter hoffentlich schöner.

Und es wird schöner. Bereits am Freitag Morgen scheint die Sonne zwischen den Wolken durch. Und die Aussicht vom Büro aus ist wirklich klasse! Man sieht über die gesamte Skyline, auf der anderen Seite die Hügel hoch. Sieht gigantisch aus mit den großen weißen Wolken, dazwischen blauer Himmel und Sonne! Leider dauert die Arbeit etwas zu lange, so muss ich den größten Teil des Sonnenuntergangs vom 51. Stock aus sehen. Ok, auch nicht übel ;-) Den zweiten Teil dann vom Taxi aus. Leider stehen an der Tram zum Victoria Peak hunderte Leute, also mit dem Taxi nach oben. Gar nicht mal so übel, denn der fährt einmal um den Berg rum, und so sehe ich auch auf die andere Seite und die Küste dort hinunter. Schon beeindrucken, diese ganzen hohen Häuser wo immer es auch möglich ist! Und natürlich die Skyline. Aber da folgt der Höhepunkt dann ja auf dem Peak. Auf der Aussichtsplattform tummeln sich natürlich schon unzählige Menschen... aber mit ein bisschen Geduld komme ich dann auch in die erste Reihe. WOW!! Sowas hat man noch nicht gesehen. Auf jeden Fall das Highlight! Und nicht mit Worten zu beschreiben. Selber hinfahren und anschauen!

Beim runterfahren ist dann natürlich nicht weniger los, sogar zum Aufstieg auf die Plattform muss man anstehen. Also nehm ich den Bus nach unten – und der Umzug ins nächste Hostel steht an. Und diesmal hab ich mehr Glück. Es befindet sich auf Hong Kong Island, direkt an der Metrostation, komplett neu renoviert, super sauber und mit allem was man braucht - und noch dazu sehr nette Leute. Gleich noch ein Deutscher im Zimmer, ausserdem noch paar Englaender und Aussies. Hier kann man bleiben... Die Gegend ist viel chinesischer als im Business District, und es ist auch etwas günstiger hier.

Samstag: strahlender Sonnenschein. Leider ist es noch etwas diesig, deswegen ist der Blick von der Star Ferry auf die Skyline nicht ganz ungetrübt, aber was solls. Rauf aufs Schnellboot, das mich ins benachbarte Macau bringen wird. Nach etwa einer Stunde Fahrt und vorbei an kleinen Inseln aus grünen Hügeln uns sandgelben Steinen, bin ich im nächsten Land angekommen. Die ehemalige portugisische Kolonie gehört zwar seit 1999 wieder zu China, ist aber mit sehr vielen Sonderrechten ausgestattet. Und Ein- und Ausreise sind wie für jedes andere Land. Paar Stempel abholen usw... Schon komisch, in einem Teil Chinas zu sein, aber Schilder sind in Portugiesisch, Chinesisch und Englisch angeschrieben. Verkehrte Welt.

Zuerst fahre ich mit dem Bus nach Taipa, einer kleinen Insel vor Macau. Eigentlich ist der kleine Ort nichts besonderes, bis auf ein paar kleine und enge Straßen im Zentrum, mit vielen Restaurants, Läden mit Süßigkeiten usw. Alles ist nett restauriert, v.a. die Häuser und Parks an der Waterfront. Eigentlich will ich dann noch auf einer etwas weiter südliche Insel, Coloane, fahren, aber da ich den Bus in die falsche Richtung erwische, lande ich schneller als gedacht wieder in Macau. Und das ist so gar nicht mehr China. Wenn man sich die Menschen wegdenkt, könnte man genauso irgendwo in Portugal sein. Viele der Straßenzüge sind nett restauriert, andere wieder sehr ursprünglich, eng, aber alles sauber ... Durch die sehr schöne Innenstadt quäle ich mich durch gigantische Menschenmassen die Straßen entlang. Ganz Macau und noch viele mehr scheinen auf den Beinen zu sein. Und alle kaufen diese trockenen aber anscheinend typischen Kekse, die in unzähligen Läden an der Straße verkauft werden. Und natürlich darf man auch überall probieren. Wenn man also einmal die Straße rauf und runter läuft, hat man sich sattgegessen! Achja, es gibt auch viele verschiedene Sorten getrocknetes Fleisch. Und dann steht man plötzlich vor einer langen Treppe, die zu den Ruinen einer Kirche führen – eines der Wahrzeichen Macaus. Daneben geht es hinauf zu einem Fort, von dem man die Stadt bzw. das Land überblicken kann. Auch einige der großen Casinos – Macau ist bekannt für die Spielhallen, die Spielcasinos aus Las Vegas investieren hier gerade Millionen, um den chinesischen Konkurrenz zu machen. In Kürze wird ein Nachbau des Venetian in Las Vegas hier eröffnen... Mann, ist das anstrengend bei praller Sonne und ca 35 Grad den ganzen Tag durch die Stadt zu laufen. Nur nicht zu schnell bewegen und keinen unnötigen Schritt. Ich laufe die ganze Stadt kreuz und quer ab, was bei 35 Grad und prallem Sonnenschein gar nicht so unanstrengend ist. Weiter gehts durch die engen und bergigen Gassen der Stadt, vorbei an einigen Kirchen, raus auf Penha Hill, von wo aus man rüber nach China sieht, einen super Blick auf den Macau Tower, das zehnthöchste freistehende Gebäude der Welt, und die Brücken, die Macau mit den Inseln verbinden hat. Leider ist es etwas diesig, sodass der Sonnenuntergang nicht sonderlich spektakulär wirkt. Aber man sieht, wie sich mutwillige Bungeespringer vom Macau Tower stürzen, und hinunter auf die Luxusvillen, die am Hang liegen. Daran vorbei gehe ich runter an die Waterfront und wieder zurück ins Zentrum, vorbei an den Leuchtreklamen der Casinos. Die Leute sind etwas weniger geworden ... und schon ist der Tag vorbei. Raus zum Schnellboot – und kaum bin ich dort ein paar Minuten, schon fängt ein krasses Gewitter an. Und das ist richtig krass. Kaum geht die Tür auf, weht der starke Sturm den Regen in die Halle, es blitzt und kracht gewaltig. Und bei dem Wetter soll ich mit dem Boot eine Stunde zurück nach Hong Kong fahren?! Just wird meine Strecke gecancelt, ich muss das frühere nehmen. Zum Glück war ich zu der Zeit schon da... und sowas hab ich auch noch nicht gesehen. Der Himmel ist mehr hell als dunkel, die Blitze sind wirklich gigantisch – aber das Meer ist überraschend ruhig. Und dann kommt auch schon wieder die geniale Skyline in Sichtweite ...

Eigentlich wollte ich nochmal auf ein Bierchen nach Lan Kwai Fong mit den vielen Bars. Aber der ganze Tag mit praller Sonne hat dann doch etwas geschlaucht...

Sonntag: strahlender Sonnenschein. Auf zum Strand! In der ersten Reihe des Doppeldeckerbusses gehts erst mal quer durch die Stadt, wo schon wieder massenhaft Leute beim Einkaufen sind. Und dann raus aus dem Zentrum, durch den Tunnel, und schon ist man in einer anderen Welt. Ja, Hochhäuser gibt es auch hier, aber auch viel grün und viel viel Strand. Von den engen und bergigen Straßen, wo gerade mal so zwei Busse aneinander vorbeipassen, sieht man schon die schönen Buchten, doch erst mal fahre ich nach Stanley zum bekannten Stanley Market. Der beeindruckt mich dann aber gar nicht so stark, vielleicht hab ich davon einfach in China schon genug gesehen. Also auf an den Strand, erster Stopp Repulse Bay, mit weißem Sandstrand, einigen Palmen und sehr warmem Wasser. Und gleich nebenan: eine ziemlich bunte Tempelanlage, die sehr viele Touristen anzuziehen scheint. Viel außer relaxen und schlafen mache ich nicht ... irgendwann raffe ich mich auf und gehe über die Promenade hinüber zum nächsten Strand, Deep Water Bay. An den Grillplätzen ist die Hölle los, überall veranstalten die Leute Essparties am Strand. Und weiter gehts mit relaxen... leider vergeht der Tag viel zu schnell und es wird Zeit, das Gepäck zu holen und zum Flughafen aufzubrechen. Ein letzter Blick auf die Skyline, bevor der Bus im Tunnel verschwindet – und dann vorbei an dem riesigen Containerhafen mit den vielen Kränen und Schiffen, im Hintergrund Hügel und Meer im Wechsel, zwischendrin mal wieder eine Hochhaussiedlung, und dann diese riesigen Brücken, die die Inseln verbinden. Und schließlich an den Flughafen. Goodbye Hong Kong... und auch wenn ich das grad so gar nicht will, zurück in den Alltag Shanghais...

13. August 2007

Kollegin von Alan Greenspan

... ok, nicht direkt, aber fast. Der ehemalige Fed-Chef hat seit heute eine beratende Funktion für die Deutsche Bank ;-)

8. August 2007

Bayrischer Himmel über Shanghai

... ja, das gibts wirklich. Zwar nicht oft, aber diese Woche dafür jeden Tag!! BLAUER HIMMEL!!!! Wie lang haben wir das nicht gesehen in Shanghai. Schuld ist irgendein Taifun in der Nähe, dadurch ist es einigermaßen windig, nicht ganz so heiß und schwül wie sonst ... und man kann wirklich mal durchatmen!! Ja, ich weiß, zuhause denkt ihr euch jetzt: können wir doch immer ... ja, zuhause. Aber nicht in China...

6. August 2007

Bei den Terrakottamenschen: Xi'an

Los geht’s wie immer im letzten Eck des Flughafens in Shanghai – und weils im Flugzeug so schön ist, warten wir dann nochmal eine Stunde auf der Startbahn bis endlich die Starterlaubnis kommt. Ok, die Wolken sehen von oben wirklich ziemlich schwarz aus, uns es sollte auch ein Flug mit einigen Turbulenzen werden.

Raus aus dem Rumpelflugzeug, rein in einen Rumpelbus Richtung Stadt. Bei jeder kleinen Unebenheit auf der Autobahn hört es sich an, als ob die Achse gleich brechen würde... Endlich kommen wir in die Stadt. Außerhalb der Mauern sehen viele Häuser heruntergekommen aus, manche Leute wohnen in Unterkünften aus Planen, Holzstöcken etc. Intnerhalb der Mauern ist es überraschend sauber. Man sieht, dass es eine Touristenstadt ist. Die meisten Häuser sind renoviert, aber nicht wie in Shanghai das alte weg und etwas neues hin, nein, es sieht alles noch sehr chinesisch aus. Nach dem Einchecken gehts in die Barstraße – zugegeben ziemlich westlich, eine Bar neben der anderen, und eine sieht gemütlicher aus als die andere. Aber wo sind die Leute?? Die Leute hier sind ziemlich hilfsbereit und nett – auch wenn sie nicht oder nicht gut Englisch können, sie bemühen sich zumindest uns zu verstehen und uns zu helfen ... die Mädels hinter der Bar haben sogar ein Phrase Book! ... achja, und wenn der Alkohol ausgeht, dann wird eben schnell im Plastikbecher vom Nachbarn Nachschub geholt ...

Der Hunger ruft, also raus auf die Straße – und natürlch auch in Xi’an gibt es sie, die Nudel- und Spieße-Männer, die an der Straßenecke stehen und leckere Gerichte für fast nichts zubereiten. Das Wochenende ist gerettet ;-)

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zur berühmten Terrakottaarmee – in einem dieser super unbequemen Rumpelbusse. Quer durch die Stadt und noch viel weiter. Als wir ankommen, können wir schon lange nicht mehr sitzen... also auf zu den Soldaten! Das Gelände ist schön angelegt, mit viel Grün ... und die Sonne brennt ganz schön runter! Wir sind froh, als wir endlich die Gebäude erreichen. Die ersten zwei sind nicht sonderlich interessant – Dokumentation, wie die Armee entdeckt wurde usw.... und dann endlich die Ausgrabungen, in einer riesigen Halle. Aber wenn man dann davor steht, kommt es einem gar nicht mehr so beeindruckend vor, wie man sich das von Fotos oder Berichten vorstellt. Klar, die Soldaten sind menschengroß, es stehen da auch ziemlich viele rum, aber da man immer noch relativ weit weg ist und das Gelände sehr groß, kommt es nicht mehr so rüber. Natürlich müssen wir uns dann auch noch einen dieser Soldaten kaufen – ausgezeichneter Preis im Museum für eine ca 20 cm Figur 100 Euro. Etwas außerhalb bekommen wir sie für 60 Cent!

Zurück in der Stadt, machen wir uns auf den Weg ins Muslimenviertel, wo wirklich Muslime rumlaufen (mit ihrer hellen Kleidung und den Kappen), und wo es sehr leckeres Essen gibt. Wir schlendern durch die kleinen Gassen, bevor wir uns wieder auf den Weg zur Barstraße machen... wo natürlich mal wieder keine Leute sind. Und das am Samstag Abend!

Am nächsten Tag steht die Besichtigung der Moschee auf dem Programm – eine oder die größte Chinas. Sie ist aufgebaut wie einer dieser vielen Tempel, die wir schon gesehen haben, aber es sind überraschend wenig Touristen unterwegs und der Besuch ist richtig entspannend! Außenrum in den Straßen befindet sich ein riesiger Markt mit Souvenirs und unzähligen Kleinigkeiten. Etwas entfernt gibt es einen Markt mit getrockneten Früchten. Da wir alle drei (Katja, Carlos und ich) ziemlich fertig sind von der Hitze (das könnte auch ein Sonnenstich sein!) lassen wir den Tag sehr ruhig weitergehen ... wir steigen noch auf die Stadtmauer, die um die komplette Stadt läuft, aber zu einem großen Teil nicht mehr Original ist. Am Aufgang steht ein Häuschen, drin 2 Chinesen, daneben ein Schild, dass es 4 Euro Eintritt kostet ... zu teuer, wie wir finden – ok, gehen wir so rauf. Das stört dann auch keinen weiter, es wird nirgends kontrolliert ... Die Mauer ist ungefährt so breit wie eine normale Straße, man kann sich oben Fahrräder ausleihen, und man sieht sowohl auf die Alt- als auch auf die Neustadt runter.

Es wird Zeit zum Mittagessen ... und wir finden ein Restaurant, in dem man auch in Paris sitzen kann ... endlich wieder etwas Erholung und nicht so heiß wie draußen in der Sonne! Aber irgendwas müssen wir schon noch anschaun – also auf zur Pagoda. Davor befindet sich ein riesiges Wasserspiel – im Takt der Musik tanzen die Wasserfontänen, unzählige! Die Pagoda selber ist dann nicht wirklich der Hammer, da haben wir schon einige schönere gesehen! Außenrum wird alles renoviert, die Grünanlagen sind schon ziemlich schön angelegt ... aber das ist halt nicht mehr original.

Und dann gehts auch schon wieder zum Flughafen – so früh waren wir noch nie dran ... aber das bringt uns leider gar nichts. Als das Flugzeug eigentlich schon starten sollte, wird der Flug auf unbestimmt Zeit verschoben. Schlechtes Wetter in Shanghai. Und unser Flugzeug ist noch nicht mal in Shanghai gestartet. Na sehr schön ... geplante Abflugzeit war eigentlich um 20 Uhr – um 0 Uhr 35 starten wir dann endlich... ok, das hat sich auch nochmal verzögert, weil irgend jemand nicht oder zusätzlich an Board war und deshalb die Boardingpässe im Flugzeig noch zweimal gecheckt werden mussten ... wir haben echt schon überlegt, ob wir nicht eins der anderen Flugzeuge nehmen sollten – z.B. nach Qingdao und unserer Stammkneipe „Otto“ einen Besuch abstatten ... aber wir hatten ja zum Glück unsere Skatkarten dabei – und sind inzwischen schon fast Profis. Der Rumpelairline sei Dank! Zu guter letzt nehmen wir uns dann noch ein illegales Taxi in Shanghai. Die wollten zwar nicht genau das was wir wollten, aber so günstig sind wir noch nie vom Flughafen in die Stadt gefahren. Und auch nicht so spät – im Bett um halb 4. Viel Spaß in der Arbeit ...

2. August 2007

Mitch’s Abschied ... einer der ersten von vielen weiteren

Man merkt, dass sich meine Zeit hier in China dem Ende neigt. Nachdem sich letzte Woche schon Haluk verabschiedet hat, ist jetzt Mitch dran. Derjenige von uns, der schon am längsten hier ist. Und typisch für Abschied feiern: abends schön zum Japaner gehen, und zwar Teppanyaki und Sushi all you can eat and drink. Natürlich mal wieder sehr lecker (und sehr viel) ... und dann gehts endlich mal zu KTV – Karaoke!!! Komisch aber wahr, wir haben’s bis jetzt noch nie geschafft. Höchste Eisenbahn! Nein, ich mag Karaoke eigentlich nicht. Eigentlich.

Wir sind 10 oder 12 Leute, haben unseren kleinen Raum mit gemütlicher Couch, billigem Bier und Karaokeanlage ... nein, Töne treffen wir natürlich keine (bzw. jeder einen anderen), aber wen kümmert das. Spaß machts trotzdem. Ziemlich viel sogar, sodass man schon mal die Zeit übersieht... Aber unser lieber Mitchy feiert schließlich nur einmal Abschied! Und cool wars, genial eigentlich! Schade, dass wir das nicht öfters gemacht haben. Und schade dass du schon gehst, Mitchy!

31. Juli 2007

Mal wieder Haare schneiden ...

... und ihr glaubt nicht, was ich gezahlt hab. 20 Minuten Kopfmassage plus Haarschnitt... macht 10 kuai. Bedeutet also 1 €. Wollt ich nur mal erwähnt haben. Ich glaub, ich geh da jetzt jede Woche hin. Und wenns nur wegen der Massage ist. Kann man schon mal investieren. Zum gleichen Preis oder weniger bekommt man übrigens eine DVD. Good quality und die neuesten Filme. Auch genial. Oder 5 Bier in Qingdao. In Shanghai muss man dafür leider viel viel viel mehr zahlen...

30. Juli 2007

Deutsche Kolonie zurückerobern: Ein Wochenende im Mekka des Bieres - Qingdao

Ja, endlich ist es da: ein Wochenende, das nur zum Relaxen bestimmt ist. Rauf in den Norden, wo das Klima etwas angenehmer ist, an den Strand – und zum Ursprung des chinesischen Bieres!

Aber der Reihe nach: Wie so viele Trips wird auch dieser von Katja und mir organisiert. Und dieses Mal richtig. Schon die ganze Woche über laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren ... und wir haben einen riesen Spaß dabei. Und das ist dabei rausgekommen: Zufällig haben wir beide unsere tolle weiße Hose vom Stoffmarkt an. Und zufällig ein schwarzes Oberteil. Zufälle gibts ... Kurz vor dem Gate verschwinden wir dann noch kurz auf die Toilette – und die Leute im Flugzeug staunen nicht schlecht, als wir als letzte durch den Gang laufen: weiße Hose, rosa Shirt mit unserem „Firmenlogo“, knallpinke Schirmmütze und eine „Reiseführerblume“. Die Tour kann losgehn. Zur Begrüßung bekommt jedes unserer Tourmitglieder (wir sind immerhin zu neunt!) die Basisausstattung: gleiches Shirt, ein Reiseprogramm (natürlich nach chinesischem Vorbild mit Bettruhe um 23 Uhr und Programmstart um 5 Uhr morgens), und Taschentücher. (Für alle, die noch nicht in China waren: Chinesen reisen grundsätzlich in Reisegruppen, die Reiseführer haben komische Kappen auf, ein Fähnchen oder eine Blume, ein Mikro – wir haben eine Trillerpfeife –, die Reisegruppe hat irgendein extrem schreckliches Erkennungszeichen wie Kappe, Shirt, Schal... und das Programm ist krass. Urlaub ist das nicht mehr. Und so soll das bei uns jetzt auch laufen ... ;-) )

Kaum sind wir in der Luft, landen wir auch schon wieder. Ja, auch am Flughafen schauen uns die Chinesen ziemlich doof an (würd ich auch machen). Aber egal. Es geht zum Hostel, einer umgebauten Kirche. Und welch Glück, gleich gegenüber ist eine Beer Bar. Dort werden wir dann auch einen Großteil des Wochenendes verbringen. Es gibt Bier für 2 kuai – das sind 20 Cent!! Achja, es gibt Bier in Plastiktüten. Wird gewogen wie Gemüse ... und dann eben nach Hause getragen! Und es gibt diese ganzen leckeren Spieße mit Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten (ok, auch Frosch und solche Scherze), die dann gegrillt werden. Sehr sehr lecker und unser Hauptnahrungsmittel übers Wochenende!

Aber erst ziehen wir noch kurz durch die nächtlichen Straßen. Und das ist hier noch alles andere als deutsch. Sogar extrem chinesisch. Tonnen von Müll liegen auf den Straßen, es ist ziemlich dreckig ... und so ein Chinese erledigt sein Geschäft mitten auf der Straße. Ja, großes Geschäft, auf dem Gehsteig an der Kreuzung. Unglaublich, selbst für uns „Halbchinesen“. Ok, zurück zu „Otto“, unserem Freund aus der Beer Bar.

Nach ein paar Stunden Schlaf gehts los. Nein, wir ziehen unser Programm natürlich nicht so durch, wie wir das niedergeschrieben haben ... aber erstes Ziel ist gleich mal die Quelle des Bieres: die Brauerei des berühmten Tsingtao Biers. Und wer hats erfunden? Genau, die Deutschen. Deutschland hatte seit Ende des 19. Jahrhunderts Qingdao und Umgebung als Kolonie inne. Und was macht ein Deutscher? Genau, er baut erst mal eine Brauerei. Die gibts noch immer, sie ist inzwischen die größte in China, macht das beste Bier Chinas und ist deshalb natürlich Pflichtsehenswürdigkeit. Wir lassen uns eine Führung durch das Biermusum geben, wo die ganzen schönen deutschen Stücke ausgestellt und die deutsche Vergangenheit der Stadt (bzw. der Brauerei) dokumentiert sind. Und rein gehts in die Brauerei ... mit anständiger Bierprobe. (Für die HSSler: ja, mal wieder eine Brauereiführung. Nein, kein extra Sudtopf für mich dieses Mal. Aber diese Brauerei ist etwas größer, also ausreichend vorhanden ;-) ) Man glaubt es kaum, aber ganz selbstverständlich geben die den chinesischen Kindern, die dabei sind, ein Gläschen Bier. Am Ende der Führung gibts mehr Bier ... und prompt schlafen die Chinesen auf den Tischen ein. ;-)

So, Zeit für Mittagessen mit genial gutem Essen aus dem Meer, gutem Bier usw... und dann ziehen wir an den Strand, ausgestattet mit dem obligatorischen Bier aus der Plastiktüte. Ja, sieht komisch aus, aber voll normal dort.

Am Strand laufen natürlich tausende Chinesen rum, aber zum Glück sind wir nicht an dem Strand, den wir vom Bus aus gesehen haben – da konnte man nämich hinter ganzen schwarzen Köpfen weder Strand noch Wasser entdecken... Sandstrand, ziemlich sauberes Wasser, Beachvolleyball mit den Chinesen – und alles sehr relaxt. Sehr ungewohnt – solche Wochenenden hatten wir bis jetzt noch nicht. So ganz ohne Sightseeing-Stress.
Zeit wirds für ein gemütliches Abendessen. Also duschen und los. Wir laufen durch die Stadt, vorbei an einer katholischen Kirche und runter zum Strand. Leider finden wir nicht wirklich ein Restaurant dort, obwohl das so geschrieben steht ... also rein in den nächsten Bus und einfach mal durch die Stadt. Am Ende gibts dann wieder sehr sehr leckere Meeresfrüchte – und chinesisches Essen halt. Und die Suche geht weiter. Es scheint keine Bars zu geben in dieser Stadt (oder Dorf, hat nur paar Millionen Einwohner) ... also mit dem Taxi zu ner Bar aus dem Reiseführer. Echt ok ... achja, hab mit Patrick die Jungs mal wieder im Kickern abgezockt :-) Nächster Laden. Wir laufen quer durch die Stadt, vorbei an „Massagesalons“. Dann eine Straße mit vielen kleinen Tischen und Bänken ... aber draußen. Ne, weiter. Uns werden einige Karaokebars empfohlen, aber nicht heute... und dann ist es da – Babyface! Das kennen wir doch aus Shanghai. Also rein, gute Drinks bestellen, tanzen, relaxen, Spaß haben ... viel Spaß... aber richtig viel los ist da nicht, also wieder raus. Und blöderweise kommen wir wieder an der Straße mit den Tischen vorbei. Ok, ein Bier noch. Aber was bekommen wir? Jeder von uns einen Becher mit 1,5 Litern Bier!!! 9 Liter Bier für 5 €. Nicht übel. Inzwischen dämmert es auch schon wieder, Zeit zum heimgehn... der nächste Tag wird ja wieder anstrengend.

Frühstücken, dann Otto einen Besuch abstatten, und ab an den Strand. Wir fahren etwas nach außerhalb, ah, und hier sieht man auch den Deutschen Einfluss. Richtig deutsche Häuser und Siedlungen! Berge im Hintergrund, und natürlich der Strand. Relaxen ... beachen, schlafen – und Skat lernen. Ja, richtig gelesen. Ich weiß, ich als Bayerin müsste erst mal Schafkopfen lernen. Aber das kann doch hier keiner!!

... und schon ist das Wochenende wieder vorbei. Es wird Zeit, an den Flughafen zu fahren – nach einem kleinen Snack (frische Muscheln, gegrillte Meeresfrüchte, gebratene Nudeln mit Muscheln ...) bei Otto. Zurück in den Stress nach Shanghai. Die Jungs gönnen sich noch einen Tag mehr Entspannung, aber für uns Mädels gehts zurück. Der Flug hat natürlich Verspätung, aber so können wir gleich ein bisschen Skat üben – bei Zweifeln an den Regeln werden einfach kurz die Jungs angerufen ;-)

Achja, zu Ende ist das Wochenende noch nicht. Die Jungs sind ja noch unterwegs – und halten es natürlich ohne uns nicht lange aus. Also kommt irgendwann um halb 5 morgens der Anruf ... live aus Qingdao, bei einem frischen Glas Bier ... leider gehts 2 Stunden später wieder in die Arbeit, und vorbei sind die paar genialen Tage mit Relaxen und Nixtun ...

27. Juli 2007

Halb BMW zu Besuch aus Shenyang

Oje ... vergeht die Zeit hier schnell!! Ich komm kaum mehr nach mit dem schreiben hier – und da die ganze Woche über so viel passiert, liegt für mich der letzte Blog dann immer schon ne halbe Ewigkeit zurück ...

Auf jeden Fall ist es jetzt mal endlich so weit: Die BMW-Praktikanten aus Shenyang, die wir während unserem Trip auf dem Yangtze im Mai kennen gelernt haben kommen nach Shanghai. Blöderweise haben wir natürlich das Wochenende auch schon verplant, also bleibt der Donnerstag ... erst mal gehts zu unserem inzwischen Lieblingsinder ... dort schlagen wir uns mal richtig den Bauch voll – und dann hinein ins Nachtleben! Mit den 13 Besuchern gehts per Taxi quer durch die Stadt in die C’s Bar. Ist zwar total überfüllt, aber richtig relaxt. Und Bier ist billig. 1,50 € für ein Glas. Kann man schon mal ausgeben! So, und weil ja eine Bar am Abend nicht genug ist, müssen wir weiter. In die Logos Bar. Bereits verrufen, aber was solls. Wenn schon, denn schon. Da is dann außer uns nicht mehr wirklich jemand, aber stört ja keinen. Ich zocke die Jungs dann gleich mal schön beim Kickern ab (ja, ich im Siegerteam! Ich Sturm, Patrick super Verteidigung. Unschlagbares Team :-) ) Ja, der Abend dauert etwas länger, das Taxi beim Heimfahren kostet schon wieder den Preis für tagsüber, aber lustig wars. Und eigentlich war der ganze Ablauf ja so zu erwarten. BMW-Praktis ... Der nächste Tag in der Arbeit wird allerdings gar nicht so angenehm. Aber so ist das eben! Dafür geh ich ja früher heim, denn abends gehts weiter ins Mekka des Bieres ...

14. Juli 2007

Etwas chinesische Kultur: Nanjing

So, wieder Wochenende. Und da ich die ja nicht allzu oft in Shanghai verbringe, muss wieder ein Ziel her. Da es unmöglich ist, Zugtickets nach Xi’an zu bekommen, muss eine „Notlösung“ her: Nanjing.

Nachdem wir, unsere 11-köpfige „Reisegruppe“, den Zug in Shanghai noch gerade so erwischt haben, dürfen wir uns erst mal durch diese vielen Wägen kämpfen. Unserer ist natürlich ganz vorne – und auf dem Gang stehen überall diese Chinesen, die nur Stehtickets bekommen haben (ja, sowas gibt es hier). Dann dürfen wir ein paar dieser von unseren Plätzen verscheuchen – tja, Pech gehabt ;-) Ruhige Fahrt, bis dann diese Chinesen mit ihrem Promo-Zeugs auftauchen. Man stellt sich das vor wie eine dieser Kaffeefahrten in Deutschland: Die Leute sitzen gemütlich auf ihren Sitzen, und auf dem Gang stehe dieser Chinese, der so komische Kreisel vorführt, die in einem ätzenden Ton die Melodie von „Happy Birthday“ von sich geben. Oh, und mann kann sie auf dem Finger balancieren ... und dann diese tollen Stifte, mit denen man die 100 RMB-Scheine auf Echtheit prüfen kann. Sehr schön. Die Chinesen kaufen diesen Ramsch wirklich ... und dann geht er endlich. Aber lang dauerts nicht, und der nächste kommt: feuerfeste Socken, superelastisch. Achja, Einlagen für die Schuhe hat er auch noch im Angebot.

Nach nur 3 Stunden Zugfahrt sind wir dann da. In der Stadt, die – wie so viele andere – mal Hauptstadt Chinas war: einmal im 14. Jahrhundert und später nochmal Anfang des 20. Jahrhunderts nach Gründung der Republik China. Außerdem fand im 2. Weltkrieg ein Massaker statt, bei dem die Japaner mehr als 300,000 Chinesen ermordeten. Außerdem besaß Nanjing die längste Stadtmauer der Welt (33 km), von der noch etwa 2/3 stehen.

Aber zurück zu unserem Tagesausflug: Vom Bahnhof aus nehmen wir erst mal einen Bus, der uns für umgerechnet 20 Cent einmal quer durch die Stadt fährt – zu den Haupttouri-Attraktionen. Die Fahrt durch die Stadt ist nichts wirklich Besonderes für uns, alles sieht irgendwie sehr ähnlich aus, wie wir das aus Shanghai kennen. Ok, die Gebäude sind nicht ganz so hoch, aber an der Straße überall diese kleinen Läden, die Chinesen auf der Straße beim Kartenspielen usw. ... und ab und zu mal wieder ein etwas westlicherer Gebäudeblock.

Dann sind wir endlich angekommen, auf dem Zujin Berg, wo sich die Hauptsehenswürdigkeiten befinden. Natürlich müssen wir nicht wenig Eintritt zahlen, aber was tut man nicht alles für ein bisschen chinesische Kultur. Und dafür, dass man dann gleich mal selber die Hauptattraktion ist! Chinesische Reisegruppen sehen wir ja öfters. Naja, eine macht da gerade ein Gruppenfoto vor so einem Tor. Denken wir uns als schon Fast-Chinesen, machen wir auch. Warten also höflich, bis sie weggehen. Aber von wegen. Wir müssen da unbedingt auch noch mit drauf! Und dann noch paar private Fotos – wir sollten vielleicht Geld dafür verlangen. Lukratives Geschäft!

Entkommen. Also besuchen wir zuerst das Mausoleum von Sun Yatsen (der als der Vater des modernen China gilt). Dazu müssen wir erst mal bei einer Affenhitze diese vielen Stufen hochsteigen ... und da oben ist dann dieses kleine Mausoleum. So, wieder nach unten und weiter durch den Wald, der uns eher wie ein kleiner Dschungel vorkommt bei dieser Schwüle ... Irgendwo an einer Kreuzung stehen dann wieder ein paar Chinesen: einer zeigt uns auf der Karte, wo wir hinwollen/-sollen, die andere ist für das Abreissen der Tickets zuständig. ABM nennt man das in Deutschland. Es geht also weiter zum Linggu Tempel und dann zur Linggu Pagoda, die wir natürlich besteigen müssen ... 8 Stockwerke Treppensteigen. Es ist definitiv zu heiß für sowas! Aber oben dann zum Glück angenehmer Wind ... und soviel Wald und grün haben schon lange nicht mehr gesehen. Leider lässt der Dunst keine gute Sicht auf Nanjing zu, aber egal ... wir lassen uns wieder etwas trocknen und runter gehts. Jetzt wird es mal Zeit, was Essbares zu suchen. Also mit dem Bus zurück in die Stadt. Toilettenpause im KFC, wie so oft (auch wenn das Essen besch... ist, die Toiletten sind unschlagbar!). Ein Straße weiter, und schon sind wir in China. Im wirklichen China. Kleine Häuser, Wäsche auf der Straße, diese kleinen Garküchen, die wir so lieben. 4 Uhr ist nicht gerade Essenszeit in China, also schlafen die Leute in ihren Buden, auf einem Stuhl oder einer Bank hinter dem Ofen. Aber kaum sind wir da, sind sie wach. Und die Straße ist plötzlich wieder belebt. Wir lassen uns also Nudeln und Reis braten, kaufen leckere Baozi (gefüllte Teigtaschen) und Gebäck ... unsere Arbeitskollegen werden uns natürlich am Montag wieder nicht verstehen, wie wir so „unhygienisch“ essen können ... wir finden es klasse. Das ist China!

Vollgegessen geht es weiter durch die Stadt, vorbei am Fuzi-Tempel. Dahinter spielt eine chinesische Gruppe, eigentlich gar nicht mal so schlecht. Und hier ist es definitiv touristischer. Wie in der Altstadt Shanghais. Viele kleine Läden in den engen Gassen mit unzähligen Souvenirs.

Und dann ist es auch schon wieder Zeit, dass wir uns auf den Weg zum Bahnhof machen. Wir gönnen uns noch einen Kaffee am Ufer des Sees – und der Expresszug bringt uns in nur 2 Stunden wieder zurück nach Shanghai ... zum gemütlichen Ausklang des Abends.

8. Juli 2007

Ein mehr oder weniger typisches Wochenende in Shanghai

So viele gibts da ja nicht ... aber oft sieht das dann so oder so ähnlich aus:

Nach einem ganz normalen Arbeitstag (nein, nicht früher heimgehn am Freitag!) gehts normalerweise erst mal noch eine Runde ins Fitnessstudio – gesunder Einstieg ins Wochenende also. Nachdem ich mich da wie in der Sauna fühl (doch, es gibt Klimaanlage, aber nein, die kühlt nicht wirklich), gehts nach einer erfrischenden Dusche raus in die Sauna draußen. Da gerade Regenzeit ist, ist es noch feuchter als sonst, noch dunstiger, und es kann von der einen Minute auf die andere regnen. Also komme ich nach 10 Minuten zu Fuß wieder schön verschwitzt zuhause an. Also nochmal duschen. Ja, und dann Weggehn. Möglichkeiten dazu gibts ja genug in Shanghai, aber unglücklicherweise sind die meisten Bars und Clubs ziemlich teuer. Mit 5 € für ein Bier ist man oft dabei. Und das ist dann noch nicht mal gut. Eher Wasser mit bisschen Biergeschmack (ja, ich freu mich wieder auf bayrisches Bier!). Beim Weggehn sieht man dann auch entsprechend viele Ausländer – oder eben die neureichen Chinesen. In Clubs gehen ist in China oft eher negativ behaftet – ein normaler Chinese macht sowas also nicht. Die Nächte dauern also meistens lang – diesen Freitag gehen wir z.B. ins Park 97, einer der In-Clubs zur Zeit, mit Liveband oben und DJ’s unten. Vorher, zwischendrin und sehr gern auch nachher ist meistens billiges Bier aus dem Lawson’s (einem 24-h-Laden, von dem es in jeder Straße einen gibt) ... 40 Cent die Flasche. Man muss nur genug davon trinken ;-)

So, Samstag erst mal bisschen Schlafen. Dann meistens etwas durch die Stadt laufen, irgendwo in den Park setzen (ah, es ist ja Regenzeit, also klappt das heute leider mal gar nicht ... ist eher eine Moorwiese). Oder heute z.B. Reisebüros abklappern, weil es gar nicht so einfach ist, diese Tibetreise zu organisieren (wegen Restriktionen, Einreiseerlaubnis und Abzocker-Reisebüros, die daraus Geld machen wollen). Dann findet am Abend das Live Earth Konzert statt, ja auch in Shanghai. Aber die Tribünen sind winzig, die Bands alle aus China (außer Sarah Brightman) und es ist Regenzeit. Wir beobachten das Spektakel von außen – am Bildschirm kommt das rüber, als ob zigtausende Leute da wären (es sind paar tausend) und die Skyline im Hintergrund tut ihr übriges. Achja, Regenzeit. Nach einigen Bands (die diesen chinesischen Soft-Pop spielen) fängt es an zu regnen. Und zwar richtig. Innerhalb kürzester Zeit steht Platz und Straße unter Wasser ... die Tribüne ist übrigens nicht überdacht. Schön, dass die alle Eintritt gezahlt haben. Wir sitzen hier unter einem Schirm ;-) Naja, irgendwann reichts dann auch mit China-Pop ... weiter gehts in die Air Bar – einer Bar im 30. Stock eines Gebäudes. Coole Aussicht, eigentlich coole Location mit riesiger Terrasse, aber leider etwas öde eingerichtet. Aber für 8 € Open Bar – lässt sich aushalten, auch wenn die mit Einschenken nicht nachkommen und die Klimaanlage nicht funktioniert und aus dem ganzen eine Sauna mit Aussicht macht. Also gehen wir raus in den Regen zum Abkühlen – bis ein richtiger Sturm anfängt und die Schirme usw. wie nichts umbläst ... Und am Ende gewinnen Dominic und ich noch jeweils ein Zimmer in einem schicken Hotel ... gar nicht übel – nur wann sollen wir das denn einlösen?!

Sonntag: Erst mal gemütlich brunchen. Z.B. im Sascha’s, wo es Buffet für 6,50 € gibt. Über westliches Frühstück kommt halt nix! Ok, man kann sich danach nicht mehr bewegen. Aber egal. Nächste Station: Stoffmarkt. 3 Stockwerke mit hunderten Läden, die einem wirklich alles schneidern. Z.B. Anzüge für 40 €, Blusen für 7 €, Hosen für 12 € (je nach Verhandlungsgeschick!!) oder was man eben so haben will. Klamotten abholen, ändern lassen, neue in Auftrag geben ... so läuft das jedes Wochenende, wenn wir hier sind. Danach dann ab und zu noch auf den Fake Market (ratet mal, was es da gibt ... richtig, Markenklamotten für wenig Geld). Jeans 12 €, Shirts ab 3 €, Jacken ab 10 € ... Uhren, Taschen, alles. Natürlich Preis auf Verhandlungsbasis und sehr stark vom Verhandlungsgeschick abhängig ... und die Qualität ist teilweise gar nicht mal so übel! Ok, bei Funktionskleidung ist das eine andere Sache, aber bei Jeans, Shirts, Koffer usw. kann man nix sagen. Lohnenswert ;-)

Und schon ist das Wochenende wieder vorbei. Oder so ähnlich ... Noch paar Emails schreiben – und erholsam war es mal wieder nicht. Aber dazu sind wir ja alle auch nicht hier...

1. Juli 2007

Seoul: Back to Reality

Nach über 4 Monate ist es soweit: zum ersten Mal wieder raus aus China. Los gehts am Freitagmorgen mit unserer sechsköpfigen Reisetruppe (Katja, Chrisi, Dominic, Patrick, Daniel und ich), mit der Maglev und über 300 km/h zum Flughafen. 40 Minuten vor Abflug checken wir dann doch auch schon ein – das Flughafenpersonal sieht dann auch so aus, als ob es schon etwas spät und stressig wär. So schnell hab ich auch vorher noch nie eingecheckt! Auf dem Weg zur Sicherheitskontrolle noch schnell die paar Zettelchen ausfüllen, vorbei an der ziemlich langen Schlange zur bevorzugten Behandlung und rein in den Flughafenbus Richtung Flugzeug (das natürlich wie immer hier in Shanghai irgendwo im letzten Eck des Flughafens geparkt hat). Ja, die meisten Fluggäste sitzen schon ... aber wär überhaupt kein Stress gewesen, denn auch nach uns kommen noch welche. Und nur knappe 2 Stunden später sind wir schon in Korea. Raus aus dem Flughafen – und wir schwitzen noch gar nicht! Angenehme Temperaturen, nicht schwül, oh ja, das hatten wir lange nicht mehr. Etwas ohne Plan suchen wir unseren Shuttlebus, als und plötzlich einer der Helfer anspricht. Auf Englisch!! Das reisst uns erst einmal aus allen Wolken. Englisch?? Der nette Mann hilft uns dann, die Tickets zu kaufen und lotst uns zum richtigen Bus. Als wir nach einer Fahrt durch viel grün aus dem Bus aussteigen, verbeugt sich der Busfahrer vor jedem. Hilfsbereit? Service? Ok, wir sind nicht mehr in China ... und erleben gerade so etwas wie einen reverse culture shock! So läuft das also in der Zivilisation ;-)

Nächste Aufgabe: Hostel finden. Dank guter Wegbeschreibung gar nicht so schwer, aber doch anders als sonst: an der Tankstelle SK1 gerade aus, an der Tankstelle SK2 rechts abbiegen, an der dritten Kreuzung nach links, gleich wieder rechts an der Werkstatt mit der Leuchtreklame, dann beim Friseursalon nochmal links. In Seoul gibt es nämlich nicht für jede Straße einen Namen, und wenn dann weiß ihn keiner... Wir wohnen in einem sehr netten Hostel inkl. Frühstück, Internet und allem was man braucht. Und man zieht die Schuhe vor der Tür aus. Wie anscheinend überall in Korea.

Also los in die Stadt. Schon von Anfang an fallen uns diese Minihäuser auf. Nur ein paar Stockwerke, man sieht nur sehr wenige Hochhäuser (und die würden in Shanghai nicht mal auffallen, weil sie so klein sind). Mit der Metro gehts in die Innenstadt – ah, auch ein Metrosystem gibt es hier! Verglichen mit den mickrigen vier Linien in Shanghai ist der Metroplan Seouls erst einmal verwirrend... und die Metro ist so leer! Als wir auf den Seoul City Bus warten, mit dem wir eine Tour durch die Stadt starten wollen, werden wir von einem Obdachlosen angepöbelt, und zwar ziemlich penetrant. Nach einiger Zeit kommt dann auch ein Polizist vorbei (davon laufen hier mehr als genug rum!) – und drückt den Mann erst mal auf den Boden. Ein Passant mit Gipsarm hilft ihm dabei dann auch noch, als er nicht stillhalten will. Nach einiger Zeit lässt er ihn wieder los, doch der Pöbler kann sich erst mal nicht mehr bewegen. Das hat wohl gewirkt! Als er wieder aufstehen kann folgt er schön artig aufs Polizeirevier...

Endlich kommt dann auch unser Bus. Erster Halt ist das koreanische Kriegsdenkmal – dort wird mit viel Aufwand ziemlich viel Kriegsmaterial ausgestellt: Panzer, Raketen, Flugzeuge usw... Und überall ist das Militär unterwegs. Wir laufen ein Stück und tauchen ein in ein älteres Viertel: Itaewon. Es reihen sich unzählige Shops aneinander, die schmalen Gassen schlängeln sich den Berg hoch. Die Häuser sehen aus wie in einer amerikanischen Vorstadt – hier sieht man also schon den Einfluss der jahrelangen amerikanischen Präsenz. Richtig nett mit den Außentreppen, den Ziegelmauern und den Details an jedem Haus.

Leider fährt uns der nächste Bus vor der Nase weg, und leider kommt auch in den nächsten 2 Stunden keiner. Wir haben also viel Zeit, den Verkehr zu beobachten ... Da es doch schon sehr spät ist, schnell zurück ins Zentrum und zum Nanta Theater, wo wir uns eine eher modern-koreanische Aufführung anschauen. Wir kommen gerade noch rechtzeitig, und es hat sich gelohnt. Die Trommelshow ist sehr gut inszeniert und auf jeden Fall unterhaltsam!

Wir spazieren noch etwas durch das sehr nobel wirkende Kulturviertel, bevor wir uns aufmachen ins Studentenviertel. Restaurants und Bars reihen sich aneinander, die Straßen sind sehr belebt und größtenteils Fußgängerzone. Meistens kann man auf der Terrasse sitzen – das hat uns also in Shanghai auch gefehlt... wir suchen uns also ein schickes Restaurant; die Preise sind leider überall auf deutschem Niveau, doch das Essen ist genial! Ziemlich kaputt machen wir uns auf den Heimweg – oder versuchen es zumindest. Die Taxen halten zwar an und wir steigen auch erst mal ein. Die anderen drei haben Glück, sie dürfen weiterfahren ... unser Taxifahrer meint, er fährt da nicht hin, wo wir hinwollen. Das geht uns bei den nächsten Taxen nicht anders, also fragen wir ein paar Koreaner, ob sie das mal für uns machen könnten. Die hatten dann auch erst beim zweiten Versuch Erfolg ... keine Ahnung wieso, aber das ist wohl so hier. Und es ist ein komisches Gefühl, wenn man die anderen alle nicht erreichen kann – unsere Handys funktionieren nämich wegen dem speziellen Übertragungsstandard in Korea nicht. 3 Tage ohne Handy also!

Nach einer kurzen Nacht machen wir uns auf den Weg zum Highlight des Wochenendes: wir nehmen an einer Tour zur Grenze zwischen Nord- und Südkorea teil. Im Businessoutfit (wg. der Kleiderordnung) heißt es zum ersten Mal vor dem Einsteigen in den Bus Ausweisekontrolle. Und das war lange nicht die letzte. Mit Bus und Reiseführung (alleine darf man dort natürlich nicht hin) fahren wir etwa eine Stunde bis wir an der demilitarisierten Zone (DMZ) ankommen. Ausweisekontrolle am Checkpoint. Koreaner kommen hier übrigens i.d.R. nicht rein, außer sie warten ein paar Monate und haben eine makellose Vergangenheit... Die Zone ist auf jeder Seite der eigentlichen Grenze 2 km breit – und ein ökologischen Paradies, da dort nur sehr wenige Leute mit einem speziellen Status leben. Ein Großteil ist vermient. Erster Stopp ist der dritte der vier gefundenen Tunnel, der von Nordkorea gegraben wurde und wohl zum Einmarsch nach Südkorea dienen sollte. Mit einer kleinen Bahn fahren wir 70 Meter unter die Erde und können in einem Teil des 1,6 km langen Tunnels bis zur ersten Absperrung gehen. Wieder oben angekommen, können wir nach einem nach unserer Meinung ziemlich propagandistischen Film durch das kleine aber sehr interessante DMZ Museum gehen, wo die Vergangenheit Koreas und verschiedene Zwischenfälle dokumentiert sind. Und schon geht es weiter zu einer Observationsstation, von der aus man einen guten Blick auf die DMZ und nach Nordkora hat – wenn gutes Wetter ist. Leider ist es an diesem Tag etwas diesig. Nächster Stopp ist Dorasan Station, der letzte Bahnhof vor Nordkorea. Alles ist noch ziemlich neu, doch es fahren anscheinend schon Züge nach Nordkorea.

Letzter Stopp vor dem Mittagessen ist eine Brücke direkt an der Grenze, an der viele Koreaner, deren Familien getrennt sind, Nachrichten hinterlassen. Und dann endlich das Essen: in einem richtig traditionellen koreanischen Restaurant. Schuhe ausziehen, sitzen tut man auf Kissen auf dem Boden. Es gibt koreanischen Hotpot, der wirklich gut ist! Und hiermit ist der touristische Teil der Tour vorbei. Bis jetzt gab es überall Souvenirstände und die Reiseagentur hat dominiert; Fragen waren nicht wirklich erwünscht, und irgendwie hat man schon etwas Propaganda rausgehört. Ab sofort regiert das UN-Militär – und der interessantere Teil der Tour. Die Kleiderordnung wird nochmal kontrolliert, Ausweise zeigen und rein geht es ins Camp Bonifas, wo die UN-Soldaten stationiert sind. Als Einführung dürfen wir eine Erklärung unterschreiben, dass man sich bewusst ist, feindliches Gebiet zu betreten, dass die Möglichkeit besteht, aufgrund feindlicher Übergriffe verletzt oder getötet zu werden usw. Nach einer kurzen Einführung über JSA (Joint Security Area) werden wir nochmals darauf eingeschworen, die strengen Verhaltensvorschriften zu befolgen: Immer in der Gruppe bleiben, kein Winken, kein mit-dem-Finger-zeigen, nicht mit den Soldaten reden, auf gar keinen Fall mit den nordkoreanischen, keine Fotos schießen, wenn nicht ausdrücklich erlaubt (wie schon auf der gesamten Tour) ... Eine falsche Bewegung könnte die letzte sein. Ein amerikanischer GI begleitet uns auf der Fahrt in einem Militärbus durch das Gebiet. Zuerst stoppen wir in Panmunjom, der Grenzstadt, in der UN- und nordkoreanische Gebäude stehen. Von einem Aussichtsturm sehen wir auf die kleinen Gebäude – und auf die nordkoreanische Seite. Vor den Gebäuden stehen die UN-Soldaten stramm. Es wird uns gesagt, dass die nur hier stehen, wenn Touristengruppen unterwegs sind. Zu deren Schutz. Von der nordkoreanischen Seite werden wir mit Ferngläsern beobachtet. Komisches Gefühl.

Zurück im Gebäude heißt es erneut in Zweier-Reihen aufstellen und in der Gruppe wieder hinaus – zu dem Gebäude, in dem in den 50er Jahren die Verhandlungen zwischen Nord- und Südkorea staatfanden. Die Grenze befindet sich in der Mitte des Gebäudes, es stehen 2 Soldaten kampfbereit im Raum, einer „bewacht“ die UN-Flagge am Tisch. Man betritt hier also nordkoreanisches Gebiet! Ja, ich war ein paar Meter in Nordkorea! Erneut komisches Gefühl.

Zügig wieder zurück zum Bus und weiter. Unter Militärbegleitung und unserem GI-Reiseführer fahren wir noch vorbei an der Bridge of no Return und an der Stelle, wo der Axe Murder Zwischenfall stattfand, bei dem zwei amerikanische Soldaten getötet wurden. Von weiteren Punkten hat man einen Blick auf die beiden „Propaganda-Städte“ auf beiden Seiten: die südkoreanische ist bewohnt (man hat hier super-Sonderstatus und darf hier nur unter bestimmten Bedingungen wohnen oder hineinheiraten), die nordkoreanische ist angeblich eine Geisterstadt. In beiden steht ein riesiger Mast mit den entsprechenden Flaggen – wobei der nordkoreanische höher ist... Und damit geht die sehr interessante und auf jeden Fall lohnenswerte Tour zu Ende. Ein einmaliges Erlebnis, das schon ab und zu etwas mulmige Gefühle aufkommen ließ!

Zurück in Seoul fahren wir Richtung Business District, von wo aus unsere Fähre ablegt, mit der wir uns Seoul bei Nacht vom Fluss aus anschauen wollen. Da wir noch etwas Zeit haben, setzen wir uns gemütlich auf eine der zur Verfügung gestellten Decken am Flussufer – wie lange haben wir das denn schon nicht mehr gemacht?! In Shanghai wird man immer und überall gleich vom Rasen geworfen... sehr relaxte Stimmung, mit Blick auf das Financial Center – das ganz ohne riesige Wolkenkratzer auskommt – das höchste hat gerade mal 63 Stockwerke.

Die Bootsfahrt ist dann auch sehr entspannt. Natürlich ist die Skyline nicht sehr spektakulär, wenn man die von Shanghai vor der Haustür hat. Aber trotzdem nett. Den Abend lassen wir dann bei einem gemütlichen koreanischen Barbecue ausklingen – ok, die konnten ausnahmsweise mal kein Englisch.

Am Sonntag regnet es vormittags leider, aber da wir unsere Bustour fortsetzen, stört uns das nicht unbedingt. Nur leider ist die Sicht vom Seoul Tower, der auf einem Hügel steht und eigentlich einen tollen Blick auf die Stadt bietet, nicht wirklich gut. Aber man kann nicht alles haben. Doch pünktlich zur Tour durch den größten Palast Seouls ist das Wetter wieder gut. Und der Palast ist wirklich groß. Ein Gebäude reiht sich an das nächste – die haben es sich schon gutgehen lassen! Wir nehmen eine kostenlose Reiseführung, was gar nicht schadet, um zumindest einen kleinen Background zu haben.

Als nächstes zieht es uns nach Insadong, einem traditionellen Viertel mit unzähligen kleinen netten Läden – und alles ist so gepflegt und sauber! An einigen der kleinen Straßenständen probieren wir koreanisches Essen ... mmmhhhmmm! Als wir weiterziehen, kommen wir plötzlich an einem Stück Mauer vorbei. Man glaub es nicht: ein Stück der Berliner Mauer! Gestiftet von Wowereit, als Symbol für die Wiedervereinigung...

Und dann ein anderes Highlight Seouls: Ein riesengroßer Markt, Myeongdong Market. Keine Ahnung wie viele Straßen und Geschäfte der umfasst, es sind auf jeden Fall mehr als genug. Ein Shoppingparadies für jedermann. (Aber im Gegensatz zu Shanghai kein „watch, bag, DVD“ alle 5 Meter. Richtig relaxtes Shopping ... Und dann müssen wir uns langsam wieder auf den Weg zum Flughafen machen. Ein tolles und so ganz anderes Wochenende geht leider viel zu schnell zu Ende. Und für alle, die denken, Asien ist Asien: nein, ist es nicht. Korea ist sehr sehr anders als China. Und Seoul ist auf jeden Fall lebenswert (soweit man das nach 3 Tagen beurteilen kann). Eine Stadt, die sich entwickelt, und wo nicht alles alte abgerissen wird und durch glitzernde Bürogebäude oder unschöne Wohnblocks ersetzt wird. Schön, es gesehen und erlebt zu haben. Cooler Trip!! Achja: Angenehm, wieder die eine Sprache zu hören, in der man zumindest einiges versteht und sagen kann ;-)

23. Juni 2007

Aprés-Ski bei 30 Grad

... kaum zu glauben aber wahr: auch in Shanghai gibt’s Aprés-Ski! Und zwar richtiges Original. Wir denken uns nichts und wechseln von einer eher langweiligen Bar die Straßenseite. Und was hören wir da? Den Anton aus Tirol. Und dann Von den blauen Bergen kommen wir. Und immer so weiter. Eigentlich nicht wirklich passend, schließlich ist die Skihalle eine Autostunde entfernt und Temperaturen um diese Uhrzeit noch bei etwa 30 Grad mit 80 % Luftfeuchtigkeit. Aber Getränke sind billig und natürlich haben wir unseren Spaß ... bis es doch irgendwann zuviel wird und ein angesagterer Club fällig wird! ;-)

18. Juni 2007

Huangshan/Yellow Mountains: 20 km Treppen steigen in den chinesischen Bergen

... aber bis zu den Treppen vergeht noch viel viel Zeit. Eigentlich ging alles ja schon eine Woche vorher los – mit der Buchung des Hotels am Gipfel des Huangshan. Ich hab das meine Kollegin machen lassen, denn es konnte natürlich mal wieder keiner Englisch... und es gestaltete sich gar nicht so einfach. Sie hat insgesamt 4 Tage lang immer wieder mit denen telefoniert, bis wir endlich unser 8er-Zimmer für einen relativ günstigen Preis hatten. Reisen kann so kompliziert sein hier ...

Los gehts schon am Freitag Abend, denn wir nehmen den Nachtzug bis nach Huangshan City. Die Stimmung ist natürlich klasse, als wir (Dominic, Patrick, Carlos, Daniel, Jan, Haluk, Katja und ich) uns am Bahnhof in Shanghai treffen – obwohl es wieder mal regnet, wie schon die ganze Woche. Doch fürs Wochenende ist schönes Wetter vorhergesagt ... nach einem kurzen Snack beim großen M (da war ich zum ersten Mal hier in China!) gehts los, rein in unseren Schlafwagen. Muss man sich so vorstellen: normale Waggons, statt den Sitzen stehen überall Betten, 3 übereinander und so eng zusammen, dass man gerade mal Platz zum durchgehen hat. Gepäck kann man hier nicht wirklich mitnehmen! Aber da wir ja schon seit einigen Wochen chinesische Betten und Chinesen gewohnt sind, is das gar kein Problem ... und wir haben nicht mal die beste Klasse gebucht. Also machen wir uns erst mal gemütlich ein Bierchen auf. Irgendwann geht dann das Licht aus – und schon liegen alle Chinesen im Bett und schlafen. Klar, wir natürlich noch nicht ... aber das sollte sich rächen, als um 5 oder 6 dann wieder die Musik angeht und die Chinesen munter werden. Und wir sind immer noch nicht da. Wir stoppen in jeder kleinen Stadt und bleiben ständig stehen... jetzt wird uns auch klar, warum dieser Zug für die Strecke 12 Stunden braucht! In der Zeit fährt man sonst nach Peking... Zu guter Letzt stehen wir dann noch über eine halbe Stunde 2 km vor dem Endbahnhof – wir haben schließlich für 12 Stunden Zugfahrt gezahlt, also muss die auch so lang dauern ;-) Also, Zugfahrt war gar nicht mal so übel, für eine Nacht geht das schon mal ohne Dusche und vernünftiges Klo.

So, wir sind da – und werden am Bahnhof auch schon von unserem Busfahrer erwartet. In einem Minibus gehts dann nochmal 1 ½ Stunden bis zum Fuss des Berges, wo die Reisegruppe dann vom Reiseführer empfangen wird. Da wir den ausdrücklich nicht gebucht haben (nach unseren Erfahrungen während der Maifeiertage), lassen wir uns nur noch den Ablauf erklären und wo wir den Guide am nächsten Tag wieder treffen, damit wir zum Bahnhof kommen. Klar, ist mal wieder gar nicht so einfach, bis jeder weiß, was wir wollen und wir wissen, was der will, aber irgendwie werden wir uns schon einig. Und das ist auch gut so, denn die kurze Strecke, die wir mit der Gruppe gehen, ist dann doch eher Schneckentempo als irgendwas anderes.

Zuerst müssen wir Eintritt zahlen – ja, Eintritt, um auf den Berg gehen zu dürfen. Eigentlich 20 €, aber zum Glück sind wir noch Studenten und zahlen nur die Hälfte... Und los gehts mit den Treppen, die die nächsten 15 km nicht mehr aufhören werden. Unwissen wie wir sind, haben wir uns entschieden, die lange und doppelt so schwere Tour zu gehen... All zu viele Leute sieht man nicht hinaufgehen, aber dafür kommen uns relativ viele chinesische Tourigruppen entgegen – und die steigen die Treppen schon seitlich hinunter, weil nix mehr geht. Und dann gibt es die Träger, die faule Touristen in einem Bastsessel den Berg rauf- oder runtertragen. Oder die, die Abfall nach unten oder Lebensmittel nach oben tragen. Und das nicht in einem bequemen Rucksack, sondern in an einer Holzlatte befestigten Säcken, die sie über die Schulter legen. Zwischendrin kommen wir immer wieder an kleinen Versorgungsstationen vorbei – und wenn man sieht, wie diese Lebensmittel hier hochgetragen werden, weiß man auch, warum man hier etwas mehr zahlt als unten (obwohl die Träger davon vermutlich nichts haben werden).

Die Treppen schlängeln sich im Wald hoch; das macht es relativ angenehm zu wandern, doch trotzdem sind wir schon nach kurzer Zeit ziemlich durchgeschwitzt! Und da wir zum Mittagessen wegen etwas unglücklicher Planung nicht wirklich was gegessen haben, meldet sich der Hunger nach einiger Zeit. Also von Keksen ernähren, oder von den Gurken, Tomaten und Äpfeln, die verkauft werden.

Die Landschaft ist schon beeindrucken – diese glatten Felsen, überall die Pinienbäume, und Gipfel so weit das Auge reicht. Leider ist es etwas trüb, so dass die Sicht nicht ganz so gut ist, aber schön, wieder in der Natur zu sein! Die Beschilderung ist vorbildlich, aber verlaufen könnte man sich hier eh nur schwer. Leider ist einer der höchsten Gipfel „because of maintenance“ geschlossen, aber wir sind auch so schon auf etwa 1.800 Metern.

Nach fast 6 Stunden sind wir endlich dort, wo man es „oben“ nennen könnte – man sieht schon einige Hotels und die Menschenmassen sind plötzlich gigantisch. Hier treffen wir auch wieder „unsere“ Reisegruppe – die sind mit der Seilbahn hochgefahren und nur das letzte Stück gelaufen, sehen aber fast genauso fertig aus wie wir ;-) Jetzt heißt es also schön in Reih und Glied Richtung Hotel zu laufen – hinter hunderten oder tausenden Chinesen. Einige mit nicht gerade kleinen Absätzen, andere mit Trolleys – und es geht noch ein Stück treppauf und treppab. An den Ketten, die oft die Absperrung markieren (wenn mal eine da ist) hängen übrigens unzählige kleine Schlösser – die hängen Pärchen hin, was dann bedeuten soll, dass man für ewig zusammen ist. Und noch was interessantes: Die Abfalleimer sind sehr harmonisch in Baumstumpfe oder Steine integriert – gar nicht so blöd!

Endlich am Hotel – und das sieht ja mal nicht übel aus! Klar, wir haben ein billiges 8er-Zimmer, aber für eine Nacht erfüllt es seinen Zweck. Es ist sauber, wir haben eine eigene Dusche – und die muss jetzt auch unbedingt mal sein. Dann gehts zum Essen – klar, Chinesisch, und zwar richtig gutes! Aber nachdem wir den ganzen Tag noch nichts vernünftiges gegessen haben, wurde das auch langsam Zeit ... und danach fallen wir alle todmüde ins Bett.

Der Wecker klingelt schon wieder um 4 Uhr – schließlich dürfen wir den Sonnenaufgang nicht verpassen, der hier so toll sein soll. Also marschieren wir auf den nächsten Gipfel und sind da auch erst mal noch ganz alleine... es ist auch noch ziemlich dunkel. Doch pünktlich 10 Minuten vor Sonnenaufgang kommen sie angeströmt, die chinesischen Massen. Das wars dann wohl mit der Ruhe. Und dann kommt sie auch endlich, die Sonne, als glutroter Feuerball! Sieht schon gigantisch aus. Kaum ist sie da, sind die Chinesen auch schon wieder weg. Jetzt verwandelt sie sich langsam in einen gelben Ball – und schon ist es hell. Leider können wir das berühmte Nebelmeer des Huangshan nicht sehen – normalerweise ragen nur die Gipfel aus dem Nebel am Boden heraus. Aber dafür war es wohl nicht feucht genug. Schade ... aber war auch so schön!
So, wieder zurück, kurz die Sachen packen, eine Kleinigkeit frühstücken und weiter zum nächsten Hotel, wo wir uns mit der Gruppe wieder treffen sollten. Das Wetter ist traumhaft und wir genießen die Morgensonne. Langsam erwachen alle Tourigruppen und es wird laut und unruhig. Die Träger schleppen schon wieder – und das um 7 Uhr morgens! Und die hier oben tragen richtig schwer: Zement oder Steine, manchmal auch irgendwelche Maschinen; dementsprechend zermergelt sehen sie aus. Und die chinesischen Touristen denken gar nicht dran, ihnen aus dem Weg zu gehen!

Der Guide führt uns noch zu ein paar schönen Aussichtspunkten, bevor wir uns auf zur Seilbahn machen, die uns wieder ins Tal bringen soll ... und hier heißt es erst mal 2 Stunden warten. Als wir dann runterfahren, hat es komplett zugezogen und wir sehen nur noch weiße Suppe – hatten wir ein Glück mit dem Wetter!! Ein Bus bringt uns wieder nach unten, hier gibt es dann noch ein ganz passables Mittagessen, und weiter gehts mit dem nächsten Bus bis zum nächsten kleineren Ort. Dort verfrachtet uns der Guide in einen lokalen Bus, der uns zum Busbahnhof fahren soll. Und der fährt richtig krass. Egal wie schlecht die Straßen sind, das Tempo ist immer gleich. Egal ob Gegenverkehr oder Kurve kommt, überholt wird immer. Gut, wenn man nicht direkt sieht, wo der hinfährt, sondern lieber die alten Dörfer, die Reisfelder und die Teeplantagen mit den Arbeitern anschaut. Schon eine andere Welt hier draußen.

Am Busbahnhof in Huangshan sind wir natürlich viel zu früh, also nochmal 2 Stunden warten. Und das in einer Hitze – fast unerträglich nach dem angenehmen Klima am Berg! Komischerweise darf man sich in der Wartehalle nicht zum Schlafen über die Sitze legen... und das, wo wir sooo müde sind! Aber so bleibt viel Zeit, die nächsten Ausflüge zu planen, bevor wir mit dem Bus wieder zurück nach Shanghai fahren. 4 ½ Stunden mit stinkenden Chinesen, die Klimaanlage entweder auf Gefrieren oder Sauna eingestellt ... sehr angenehm ;-) Und dann sind wir wieder zurück in Shanghai – nach einem sehr anstrengenden aber superschönen Wochenende mit einer lustigen Truppe in den chinesischen Bergen!

10. Juni 2007

River Cruise auf dem Huangpu

Ja, mal wieder auf dem Wasser unterwegs. Dieses Mal gleich vor der Tür auf dem Huangpu, der durch Shanghai fließt. Los geht’s am Bund und erst mal mitten durch die beiden Skylines links und rechts des Flusses, Puxi und Pudong. Schon imposant, die ganzen riesigen Bauten und Baustellen – und dann zieht sich eigenlich den ganzen Fluss entlang sowas wie ein riesiger Hafen. Überall werden große und kleine
Boote beladen... hier kommt das Material an, mit dem Pudong aus dem Boden gestampft wird. Dementsprechend ist der Verkehr auf dem Fluss – auch am Sonntag sieht man hier überall die Frachter fahren. Und dann kommen die richtig großen Transporter, die riesigen Kräne, die unzählige Container aufladen. Und dann sind wir endlich an der Mündung zum Yangtze – der einem nicht wie ein Fluss sondern schon wie das offene Meer vorkommt. Man sieht nicht auf die andere Seite – ich weiß nicht genau, wie breit der ist, aber es sind bestimmt so 30 km... Von weitem kann man auch den riesigen Hafen sehen – gigantisch. Leider fahren wir dort nicht hin sondern drehen nach über einer Stunde Fahrt wieder um. Schon beeindruckend!

2. Juni 2007

Beim Haareschneiden und Fotografieren in China

Ja, ich hab’s getan – ich war endlich mal beim chinesischen Friseur (ich brauch ja schließlich endlich mal Fotos für meine Reisepassverlängerung!). Und das geht so: Man kommt rein, keiner der 10 hippen Chinesen in dem kleinen Laden versteht einen. Also kommen noch welche von hinten ... ah, die haben auch Zeitschriften mit Frisuren – ja, auch mit westlichen Models!! Glück gehabt... ich such mir also eine Frisur aus. Da die Frau auf dem Foto dunkle Haare hat, fragen sie mich gleich, ob ich denn die Haare auch färben will – NEIN!! So, dann erst mal waschen. Dazu wird eine Hand voll Shampoo auf die trockenen Haare gegeben, bisschen Wasser dazu und solange eingerieben, bis man nur noch Schaum auf dem Kopf hat. Dann folgt erst mal eine angenehme Kopfmassage ... und in die andere Ecke zum Schneiden. Wir sind übrigens zwei Kunden in dem Laden – es hätte also jeder min. 10 Leute als Betreuung ... an jedem Platz ist natürlich ein Fernseher eingebaut, es läuft ziemlich bescheuerte Musik, der Fön liegt am Boden ... mit einigen Haaren.

Was macht der? Er föhnt zuerst meine Haare ... hmm, wird schon werden. Zumindest wie er schneidet, sieht ganz ok aus. Dann wird noch schön geföhnt, bisschen Wachs drauf – und das sieht doch gar nicht mal so übel aus! Ok, perfekt natürlich auch nicht, aber für einen chinesischen Friseur ;-)

So, dann also zum Fotografieren für den Reisepass, damit ich dann im September mein neues Visum bekommen kann und nach Tibet und Dubai einreisen darf. Blöd, wenn man an solche Sache nicht in Deutschland denkt. Fotografiert wird man mit einer Digicam, die Belichtung ist schlecht, aber egal. Zumindest wissen die (lt. Deutschem Konsulat), wie man biometrische Passfotos macht. Dann wird noch kurz mit Fotoshop bearbeitet und 10 min später hab ich meine Passfotos (die natürlich nicht gut aussehen) ... hoffentlich werden die dann vom Konsulat auch akzeptiert!

31. Mai 2007

Spiderman auf dem JinMao Tower

Ja, er war da: der möchte-gern-Spiderman, der ständig auf irgendwelche Gebäude klettert. Da muss natürlich auch das höchste Gebäude Chinas sein, der JinMao Tower, der eigentlich schon dank seiner Architektur zum Klettern geeignet ist ... Auf jeden Fall ist er rauf bis zum 88. Stock und wieder runter, wo er schon von der chinesischen Polizei empfangen wurde. Jetzt darf er 5 Tage im chinesischen Knast verbringen...

Und er hat sich einen guten Tag ausgesucht: einigermaßen gutes Wetter, so dass ihn auch jeder sehen konnte... die meisten Tag der Woche war nämlich eher bescheidenes Wetter und die Türme Shanghais waren etwa ab dem 50. Stock in Wolken verhüllt...

27. Mai 2007

Kleiner Ausflug nach Suzhou

Endlich kriegen wir das auch mal auf die Reihe: Mit dem nagelneuen Schnellzug sind wir schon nach 45 min da. Dann heißt es erst mal Rückfahrtickets kaufen. Blöderweise ist die komplette riesige Halle voll mit Chinesen, also anstellen... aber klappt dann auch ganz reibungslos, gar kein Gedrängel!!

Also los in die Stadt, die ja ach so toll sein soll und wo man unbedingt hin soll. Der erste Eindruck ist dann komplett anders. Es riecht ziemlich streng, die Bahnhofsumgebung ist eine riesige Baustelle bzw. eher ein Schutthaufen. Mit dem Taxi fahren wir zum Tiger Hill, wo eine Pagoda steht – wo man natürlich Eintritt zahlen muss, und zwar nicht wenig. 6 € wollen die haben, wir entscheiden, dass das eindeutig zu viel ist. Also zurück in die Stadt und zum Seidenmuseum – haben wir gedacht. Suzhou ist bekannt für Seidenproduktion... am Ende landen wir dann in einer Art Kaffeefahrt: zuerst wird uns gezeigt, wie Seide hergestellt und verarbeitet wird. Das ist echt interessant – aber dann gehts in die Verkaufsräume, wo man natürlich einkaufen soll. Das lassen wir aber, und zum Museum kommen wir natürlich nie, aber egal.

Jetzt endlich zu den Gärten, für die Suzhou so berühmt ist. Zu fünft im kleinsten Taxi, das wir in China bis jetzt gesehen haben... Ja, es ist eng, und ja, es ist extrem heiß... aber wir sind in China ;-)

Die Gärten kosten natürlich auch wieder Eintritt – und zwar jeder extra. Die Gärten sind schon ganz nett, aber eben chinesische Gärten. D.h., irgendwelche Gebäude mit ein paar Einrichtungsgegenständen, draußen viel viel Stein, ein kleiner See – und ein bisschen grün. Ist ja schon nett, aber man kann sich nicht einfach mal so irgendwo hinsetzen und das alles in Ruhe genießen und entspannen. Außerdem lassen die Touristengruppen nicht auf sich warten ... aber da das Wetter traumhaft ist, versuchen wir die Sonne etwas zu genießen... Als wir aus dem Garten geworfen werden (wg. Schließung, was mit einem extrem lauten Ton durch die Lautsprecher angekündigt wird!), schlendern wir noch durch einen kleinen chinesischen Markt und durch die Stadt, die in diesem Teil eindeutig interessanter ist. Nach einem leckeren Essen machen wir uns auf dem Weg zum Bahnhof – eigentlich haben wir gedacht, wir hätten für die Strecke noch genug Zeit, doch am Ende wird es etwas knapp. Wir nehmen noch ein Taxi, das aber wegen dem Fluss einen riesigen Umweg fahren muss – im Endeffekt wären wir zu Fuß schneller gewesen ... also schnell raus aus dem Taxi, eigentlich müssten wir schon am Bahnsteig sein. Quer durch den Bahnhof, fallen wir fast über die unzähligen Chinesen, die mit ihrem Gepäck wirklich überall sitzen. Langsam macht es echt Spaß, sich mit Ellbogen durch die Menschenmassen zu kämpfen – und keiner meckert!! So, endlich am Anfang der Schlange ... und was sagen uns die Damen von der Ticketkontrolle? Wir dürfen nicht durch (man darf in China erst auf den Bahnsteig, wenn man dazu aufgerufen wird – wie am Flughafen)... unser Zug hat Verspätung. Na toll, umsonst durchgeboxt. Aber ein gutes Gefühl, als Langnasen ganz vorne in der Schlange zu stehen ;-)

Also, ganz nett, Suzhou gesehen zu haben, aber auf gar keinen Fall ein unbedingtes Muss, wie man überall liest!