7. Mai 2007

Viel Natur, viel China und viel Sonne - 1 Woche unterwegs in einem Bruchteil Chinas

01. Mai, 5 Uhr, der Wecker klingelt, der Urlaub ist da: Labour Holidays in China. Das heißt, ganz China hat eine Woche Urlaub. Mal schaun, was da überall los ist. Natürlich müssen wir auch weg. Also machen wir uns (Katja, Barbara, Carmen und ich) auf den Weg. Geplant ist eine Bootsfahrt auf dem Yangtze bis zum 3-Schluchten-Damm und danach noch ein kurzer Abstecher nach Guilin.

Zuerst gehts also mal Richtung Flughafen. Schon komisch um eine solche Uhrzeit – kein Mensch ist auf der Straße, es ist richtig ruhig. Kein Verkehr, kein Gehupe, schön sowas! Und die Sonne lacht auch schon vom Himmel. Natürlich sind wir viel zu früh, aber wir verquatschen uns bei einem Kaffee und müssen durch diesen riesigen Flughafen springen. Endlich wach ;-) Zum Glück (oder auch nicht?!) gehts ziemlich zügig durch die Kontrollen. Im Flugzeug sind wir die einzigen Westlichen – war ja irgendwie klar. Und als wir gestartet sind, sehen wir endlich mal wieder richtig blauen Himmel! Ihr glaubt gar nicht, wie schön das ist nach dem täglichen Dunst über der Stadt.

Chongqing:

Am Flughafen in Chongqing werden wir natürlich gleich von einigen Travel Agents abgefangen, übliches blabla. Und dann die Taxifahrt: Natürlich hat das Taxi mal wieder keinen wirklich großen Kofferraum – blöd für 4 Leute und 4 Gepäckstücke. Aber geht schon, meint er. Der Kofferraum bleibt eben offen. Wir fahren ja auch nur 30 km Autobahn und quer durch die Stadt...

Die Stadt macht nicht wirklich den schönsten Eindruck. Aber sie ist vor allem eines: riesig. Insgesamt 30 Millionen Einwohner, die größte Stadt der Welt. Aber da dazu auch die verstreuten Siedlungen im Verwaltungsbezirk gehören, werden offiziell „nur“ 13 Millionen anerkannt. Neben den Straßen und auf den umliegenden Hügeln verteilen sich unschöne Wohnblöcke, natürlich herrscht höllischer Verkehr. Neben den Straßen sitzen die Menschen und verkaufen ihr Obst, Gemüse usw.

So, wir suchen unser Reisebüro, die die Tickets für die Bootsfahrt haben. Angeblich bei einem Hotel. Ein Reisebüro finden wir dort auch, durch die Luxuslobby, mit dem Aufzug in ein Bürostockwerk – und dort sieht es aus wie in einer Bruchbude aus dem Weltkrieg. Wir folgen den Schildern – doch blöderweise ist die betreffende Person dort nicht anzutreffen. Stattdessen Chinesen, abfallender Putz, spärlich eingerichtete „Büros“, Werbeplakate mit richtig krassen Rechtschreibfehlern. Kein Telefon, kein PC – wie wird hier gebucht?? Naja, am Ende ist unser Reisebüro auf der anderen Seite des Gebäudes. Nach einigem hin und her bekommen wir endlich unsere Tickets. Hunger!!

Wir ziehen also los Richtung „Hotpot-Straße“, wo es angeblich reihenweise das bekannteste Gericht aus dieser Region gibt (auf dem Tisch kocht ein scharfes Süppchen, in das man dann Fleisch und Gemüse usw. hält). Aber bis wir dort ankommen, sehen wir, wie traditionell hier gelebt wird. Das Leben findet auf der Straße statt, egal ob verkaufen, essen, kochen, waschen. Man hat den Eindruck, alle Leute sitzen vor ihren Wohnungen, spielen ihre chinesischen Spiele, betreiben ihre Garküchen, wo Hygiene nicht bekannt zu sein scheint. Neben dem Essensgeruch riecht man immer wieder wirklich Unangenehmes ... und plötzlich erledigt ein kleines Kind ihr Geschäft auf einem Papier auf dem Gehsteig. Dank sei den Schnellscheißerhosen in China (die bestehen aus Bund und Beinen, unten ist eine Öffnung...).

Was echt angenehm ist: Es ist bei weitem nicht so stressig und hektisch wie in Shanghai (aber dafür heißer!). Die Leute schauen natürlich, noch mehr als in Shanghai, wenn da vier westliche Mädels vorbeilaufen, aber alle grinsen, sind nett und hilfsbereit. Aber dann wollen wir endlich was zu essen. Hotpot finden wir irgendwie nicht, die Läden erscheinen uns auch nicht allzu hygienisch. Am Ende versprechen uns einige, dass sie Hotpot hätten – am Ende dann zwar nicht, aber das Essen ist genial. Klar sind wir die Attraktion in dem kleinen Restaurant, der Koch und die Bedienungen wollen ständig Fotos mit uns. Parallel zu dieser eher ärmlichen Straße dann eine reiche Einkaufsmeile mit allem, was normale Chinesen nicht bezahlen können. Und dann stoßen wir auch auf mehrere Hotpot-Restaurants. Zu spät...

Wir fahren mit einer Seilbahn über den Fluß zum anderen Teil der Stadt. Hier ist es viel ruhiger, alles ist noch gelassener. Die Leute wollen uns einladen, mit ihnen zu spielen – nur blöd, dass wir davon keinen blassen Schimmer haben. Nach und nach wird die Luft immer dreckiger und staubiger, wir merken es bereits im Hals. An der Straße reiht sich ein kleiner Laden an den anderen – wenn man die Straße einmal rauf- und runtergeht, hat man wirklich alles und noch viel mehr, was man zum Leben braucht. Dann fährt mal ein Motorrad vorbei, das ein Dutzend Gockel hinten drauf hat – zusammengebunden an den Beinen. Ja, die leben noch! Ein Restaurantbesitzer wählt sich einen aus,... guten Appetit! Auf dem Rückweg treffen wir auf einige weitere Restaurants, die brechend voll sind. Scheint gut zu sein dort! Auf der Straße dann plötzlich ein beladenes Pferd ... man kann gar nicht alles beschreiben, was wir sehen!

Endlich wieder am Reisebüro, müssen wir dann auch aufs Schiff, das um 23 Uhr ablegen soll. Zufällig treffen wir vor dem Reisebüro noch eine Gruppe Deutscher, von denen Barbara ein Mädel mal in Spanien getroffen hat. Alle Praktikanten bei BMW in Nordchina und ebenfalls die nächsten Tage auf dem Boot. Leider auf einem anderen, aber was für ein Zufall!


Yangtze River Cruise:

So, angekommen auf dem Boot. 1. Klasse, natürlich ganz oben. Klar, es ist chinesische 1. Klasse und allzu viel kann man sich da nicht erwarten, aber immerhin sauber, Zweierzimmer und ganz gemütliche Betten (falls es sowas in China gibt). Aber wenn man sieht, wie die anderen Klassen schlafen und wohnen – zu viert, sechst oder acht in Minizimmern, andere schlafen nur auf Decken im Aufenthaltsraum. Also Luxus pur. Sieht zumindest so aus – schon am ersten Abend kann man die Dusche im Zimmer von Katja und Carmen nicht mehr abstellen, das Bad steht unter Wasser ...

Natürlich gibt es auch einen „VIP-Bereich“, Auf das Deck und nach vorne raus darf man nur mit einem extra Pass, der natürlich auch extra kostet. Müssen wir haben, schließlich wollen wir nicht nur aus unseren Fenstern schauen müssen! Und dann legen wir endlich ab, die Fahrt kann beginnen! Der Fahrtwind ist kühl im Vergleich zur Hitze tagsüber, und kühlt schön unseren Sonnenbrand. Und nach all dem Erlebten schlafen wir auch gut...

Natürlich war die Nacht zu kurz, denn um halb 7 gibts schon wieder Frühstück (chinesisches natürlich – naja...) und schon geht’s los mit dem ersten Landgang: Ghost City. Immer schön hinter der Reisegruppe hertraben, gehts erst mal unzählige Stufen vom Anlegesteg hinauf (das steht uns noch bei jedem Ausflug bevor...). Mit der Seilbahn fahren wir hinauf auf die eine Seite, mit einigen Tempeln und Geisterstatuen. Natürlich sind schon wieder viel zu viele Chinesen unterwegs, und die Reiseleiterin stresst ganz schön. Aber daran werden wir uns gewöhnen müssen... glücklicherweise „kümmern“ sich zwei nette Chinesen um uns ;-) Nachdem wir durch viele Gebäude gegangen sind und ständig von irgendwelchen Reisegruppen-Mikrofonen beschallt werden (wovon wir natürlich nix verstehen ... „unsere“ Chinesen sagen mal irgendwas von guter Brücke und böser Brücke, man soll nur über die eine gehen und zwar mit einer bestimmten Anzahl von Schritten; dann soll man drei Sekunden auf einem Stein stehen, oder Jungs gehen links, Mädels rechts durch das Tor...), geht’s wieder hinunter und dann schnell schnell noch auf die andere Seite, wo wir erst mal vor einer ziemlich langen Treppe stehen. Also noch schnell hinauf, blöderweise haben wir anscheinend keine Zeit mehr, uns diesen Tempel – oder besser Palast? – anzuschauen, das Schiff legt anscheinend gleich wieder ab. Also schnell wieder zurück. Puh – Stress!

Also erst mal auf’s Sonnendeck, bevor es dann wirklich leckeres Mittagessen gibt. Natürlich mal wieder viel zu viel, logischerweise folgt ein Verdauungsschläfchen in der Sonne. Ein kleiner Chinese findet uns ganz witzig und knipst mit dem Fotohandy seiner Eltern fleißig Fotos von uns – als ob er sein ganzes kurzes Leben nichts anderes getan hätte! Dann gibt er uns noch eine kleine TaiChi-Vorführung ... und schon sind auf einmal scharenweise Chinesen auf Deck. Spricht sich wohl rum, dass die Westler in der Sonne liegen. Den Chinesen ist sowas ja zu heiß, wenn dann Schatten, oder natürlich mit Sonnen- (bzw. Regen-) Schirm. Klar, der Sonnenbrand lässt durch die Hitze und den Fahrtwind natürlich nicht auf sich warten...

Aber dann gehts eh schon wieder auf die nächste Tour, eine Fahrt zu einem Wasserfall steht an. Dazu müssen wir erst eine Stunde durch chinesisches Land fahren – allein das ist den Preis schon wert. Der Busfahrer fährt wie ein Henker, nicht so angenehm auf den chinesischen Straßen, aber wir sind eh mehr mit Landschaft anschauen und fotografieren beschäftigt. Unzählige Reisfelder erstrecken sich über die Hügel, die terrassenförmig angelegt sind. Immer wieder sieht man die Leute in dem Schlamm stehen und arbeiten, ab und zu pflügt ein Ochse durch das Feld, der Bauer dahinter barfuß, bis zu den Knien im Schlamm. Ist schon sehr traditionell hier! In den kleinen Siedlungen wird das Getreide neben der Straße mit Flegeln gedroschen ...

Und dann, nach endlosem bergauf, bergab und viel Natur, sind wir endlich am Wasserfall: und der ist nicht klein! Ist anscheinend der größte in China, man kann hinter dem Wasser auf die andere Seite gehen. Aber nicht nur der Wasserfall ist Attraktion, auch wir werden bei jedem Foto, das wir machen, von mehreren Chinesen gleich mal mitfotografiert... Und für Gehfaule gibts den besonderen Service: auf einer Sänfte kann man sich von zwei Männern die Treppen rauf- und runtertragen!

Zurück auf dem Schiff und nichtsahnend beim guten Abendessen, fragen uns ein paar Chinesen am Nebentisch, ob wir nicht ein Bier mittrinken wollen. Klar, warum nicht. Also an den anderen Tisch, die bestellen dann gleich nochmal Essen für uns (wir sind doch eh schon kugelrund!), und dann gehts los. Aus Reisschalen sollen wir jetzt das Bier exen. Ist wohl so üblich – aber eigentlich unmöglich. Die Chinesen schaffen das auf drei Schluck,... die erste Schale geht bei uns auch noch einigermaßen. Aber kaum ist sie leer, ist sie auch schon wieder voll. Anscheinend muss man für jeden am Tisch einmal austrinken. Unmöglich!!! Ablehnen ist unhöflich. Also versuchen wir unser bestes, bisschen rauszögern, hilft alles nichts. Am Ende retten wir uns dann mehr oder weniger fertig aufs Zimmer – es gibt auch Chinesen, die nicht nach einem Bier betrunken in der Ecke liegen!! Und weils grad so passt, ist dann unsere Klospülung kaputt, sie läuft durch... der Klempner meint dann nach erfolglosem Versuch, der Yangtze (nicht gerade der sauberste Fluss) hätte ja genug Wasser. Also läuft die Spülung durch, bis wir am letzten Tag von Bord gehen...

Nachts steht dann nochmal eine Tempelbesichtigung auf dem Programm, die wir uns aber getrost sparen hätten können. Nichts besonderes, extrem kitschig und sehr touristisch. Der komplette Tempel ist mit knallroten Lichterketten dekoriert!!

Am nächsten Morgen gehts auch schon wieder um 7 Uhr los, nach Baidicheng, mal wieder eine Tempelbesichtigung. Da wir dorthin mit einem kleineren Schiff fahren, steht erst mal umladen an – und da stehen wir dann auch eine Stunde, bis wir auf das Schiff können. Blöderweise regnet es dann auch noch und kurioserweise gibt es natürlich gleich wieder ein paar Chinesen, die Regenschirme verkaufen. In kleinen Gruppen ziehen wir durch den Tempel, der Reiseführer ist wie immer zu schnell, also verlieren wir ihn auch mal wieder. Naja, der Tempel ist eh nicht so berauschend, also suchen wir uns den Weg zurück zum Boot. Eigentlich sollten wir noch auf die andere Seite des Flusses und irgendwas besichtigen, doch da es schüttet wie aus Kübeln beschließen wir, zurück zu unserem Schiff zu fahren. Dort holen wir dann erst mal ein paar Stunden Schlaf nach, bis die nächste Tour ansteht – eines der Highlights!

Mit kleineren Schiffen machen wir eine Fahrt durch die 3 Kleinen Schluchten, die sich in einem Zufluss zum Yangtze befinden. Wie’s der Zufall will, treffen wir dort wieder die BMWler und haben natürlich einen riesen Spaß mit denen. Es regnet zwar fast den ganzen Tag, doch die Landschaft ist gigantisch – und irgendwie passt das Wetter auch dazu. Der Fluß schlängelt sich durch hohe Felsen und Hänge, zwischendrin stehen immer wieder kleine Siedlungen. Oft sieht man die 175-Meter-Markierung, wie hoch das Wasser bei Fertigstellung des Damm-Projekts 2009 stehen wird – einige Häuser werden es grad so überleben, die anderen blöderweise grade nicht mehr... unvorstellbar, was bereits jetzt alles im Wasser verschwunden ist, der Pegel steht jetzt bereits bei ca 150 Metern. Ein Reiseführer zeigt uns das Bild einer Brücke vor Stauung des Wassers – sie ist einige zig Meter über dem Wasser. Jetzt ist der Wasserpegel schon am Beginn des Brückenbogens, in zwei Jahren wird man sie nicht mehr sehen. Gleichzeitig faszinierend und erschreckend...

Da unsere Schiffe über Nacht im Hafen liegen, gehen wir zusammen mit den BMWlern vom anderen Schiff in die Stadt zum Abendessen. Wir nehmen gleich das erstbeste Restaurant, das dann mit uns 15 Leuten gut gefüllt ist. Natürlich gibt es nur eine chinesische Karte ohne Fotos. Also gehen ein paar von uns in die Küche, suchen die Zutaten aus und sagen dem Koch, dass er daraus was machen soll. Allein schon die Küche ist cool – eigentlich mini klein, aber mit allem was man braucht, um gutes Essen zu kochen. Die drei Leute vom Restaurant sind dann auch ziemlich am arbeiten nach unserer Bestellung! Essen ist perfekt und am Ende zahlen wir für etwa 30 Teller mit unterschiedlichen Gerichten plus Bier für alle 45 €... eigentlich unvorstellbar, und deswegen laden wir den Koch und sein Personal noch auf ein Bierchen ein!

Der Wecker klingelt pünktlich zum Sonnenaufgang. Die erste der drei Schluchten haben wir bereits durchquert, jetzt fahren wir in die schönste der drei. Sie ist 40 km lang, die Berge an den Seiten sind bis zu 900 m hoch. Und das ganze in der Dämmerung, kurze Zeit später kommt die Sonne hinter den Gipfeln hervor. Auch hier sind an den Hängen immer wieder kleinere Dörfer zu sehen, von denen es bald einige nicht mehr geben wird. Der Wasserpegel steigt... Auf dem Fluss ist erstaunlich viel los, Frachtschiffe genauso wie Touriboote sind unterwegs. Und natürlich die Einheimischen mit ihren kleinen Fischerbooten.

Nach diesem Genuss für die Augen gibts kurz chinesisches Frühstück und dann wieder zurück ins Bett... schließlich müssen wir dann am Nachmittag wieder fit sein. Nach der Fahrt durch die letzte und längste Schlucht (80 km!) kommen wir am Ende unserer Tour an: am 3-Schluchten-Damm. Von der Seite, von der wir kommen, sieht noch nichts wirklich beeindruckend aus, man sieht nur das obere Ende einer ziemlich langen Mauer, die vom einen zum anderen Ufer geht. Wir verlassen das Boot und fahren mit dem Bus zu den Aussichtspunkten am Damm. Und er ist gigantisch groß, wie das gesamte Projekt! Hier ein paar Fakten: Baubeginn 1994, Inbetriebnahme 2008, Staumauer ist 2.300 m breit und 175 m hoch, der Fluss wird über 600 km aufgestaut und hat dann die doppelte Staugröße des Bodensees, es wurden 1,3 Millionen Menschen umgesiedelt, Städte sind in den Wassermassen verschwunden, bei Dammbruch wären 400 Millionen Menschen bedroht, das Ökosystem des Flusses ist durch die langsamere Strömung stark bedroht usw.
Von den Aussichtspunkten sehen wir auch auf die Schleusen, in denen die vielen Schiffe den riesigen Unterschied zwischen den Wasserpegeln überwinden. Und dann runter an den Fuß der Staumauer... gigantsich und unmöglich zu beschreiben.

Dann ist die Tour zu Ende – und wir brauchen einen Bus nach Wuhan, wo wir bereits die Übernachtung gebucht haben... anscheinend fährt gleich der letzte, aber dann irgendwie doch nicht, und am Ende fährt der selbe Bus, mit dem wir am Damm waren, nach Wuhan. Kommt uns ein bisschen komisch vor, zuerst sitzen wir allein im Bus, fahren quer durch die Stadt und sind dann schon ein bisschen erleichtert, als an einer Haltestelle die restlichen Leute einsteigen. 3 bis 4 Stunden Fahrt stehen vor uns – und der Busfahrer scheint auf Techno zu stehen... richtig schlechtes noch dazu, und hauptsächlich laut... naja, bleibt uns nix übrig. Zu allem Überfluss gehts uns – wie schon den halben Nachmittag nicht wirklich gut, also kotz ich einfach mal im Bus (aber brav in eine Tüte), Katja dann an einer Raststätte... wenn nur diese Fahrt endlich zu Ende wär! Aber bei 60 bis max. 100 km/h auf der Autobahn – hoffnungslos. Inzwischen dürfen wir uns eine doofe chinesische Entertainmentshow im Bus anschaun, eigentlich ziemlich schlecht, aber den Chinesen scheints zu gefallen...

So, mal wieder mit dem Taxi durch die Stadt, nach dem wir schon mit dem Bus ca. eine halbe Stunde in die Stadt hineingefahren sind. Natürlich haben wir auch wieder keinen großen Kofferraum, also bleibt er wieder offen, Katja muss ihren Koffer festhalten, damit er nicht rausfliegt ;-) Unsere Jugendherberge in Wuhan ist ganz in Ordnung, doch die Nacht und der Morgen werden wegen Magenproblemen nicht wirklich angenehm, außerdem viel zu kurz, da wir erst um 2 Uhr endlich im Bett sind. Also nichts mit ein bisschen durch die Stadt, sondern relaxen und mittags dann zum Flughafen. Katja und Carmen fliegen von hier aus zurück nach Shanghai, für Barbara und mich geht die Reise noch weiter. Eigentlich sind wir gerade nicht in der Stimmung dazu, doch das sollte sich bald wieder ändern...


Guilin/Yangshuo:

Schon vom Flugzeug aus sieht man die Berge, für die diese Region so berühmt ist. Zwischendrin ein Flickenteppich aus Reis- und anderen Feldern, immer wieder kleine Dörfer. Und als wir dann am Boden sind, die große Überraschung: jeder kann Englisch hier! Ok, es ist wohl echt touristisch... Nachdem wir uns in unserem Hostel einquartiert haben, buchen wir gleich mal eine Tour auf dem Fluß Li nach Yangshuo, die man angeblich gemacht haben muss. Die Tour für Urlauber kostet 46 €, wir nehmen also eine ohne englischsprachige Reiseführung für 18 €. Mal sehen, was das wird. Aber erst mal ein bisschen durch die Stadt und noch ausnutzen, was vom Tag übrig ist. Wir gehen in den Park mit dem Elefantenhügel, der so heißt, weil die Felsen an einen Elefantenrüssel erinnern. Außerdem sieht er so aus wie dieser berühmte Felsen in Frankreich, von dem mir der Name nicht einfällt. Deshalb gibt es eine Partnerschaft mit den Franzosen, dementsprechend viele französische Touristen, und sogar die Schilder im Park sind auf Französisch. Ein ganz anderes China hier!! Es sind aber allgemein gar nicht so viele Touristen unterwegs als jeder vorausgesagt hat. An dem See im Park ist es echt nett, man kann mit kleinen Booten um den Felsen und auf die andere Seite fahren.

Gemütlich spazieren wir noch durch die Stadt, doch das Essen vergeht einem hier schon ein bisschen. Vor den Restaurants stehen Schüsseln mit Wasser und verschiedenen Fischen und Meerestieren, Käfige mit allem möglichen Vieh wie Hühner, Hasen usw., bereit zum Essen. Schon komisch, wenn man sein Essen vorher noch lebendig sieht!

So, die nächste Tour kann beginnen. Als wir von dem Reisefuzzi zum Bus gebracht werden, erfahren wir, dass wir zwei allein auf dem Boot sein werden – mit dem chinesischen Steuermann. Das ist ja witzig! So, Bushaltestelle, der Bus kommt, natürlich stürmen alle auf einmal rein. Doch der Bus wird langsam wieder geleert, so dass am Ende nur die guten gepolsterten Sitze belegt sind. Aber kaum sind wir raus aus der Haltestelle, wo die Anzahl kontrolliert wurde, bleiben wir wieder stehen und alle, die vorher aussteigen mussten, sind auch wieder an Board. Jetzt sitzen sie halt auf kleinen Plastikhockern zwischen den Stühlen. China. Wir fahren quer durch die Stadt, dann quer durch die Pampa und halten überall, wo grad ein Chinese steht. Vorbei an kleinen, alten Dörfern, die einen sehr armen Eindruck machen. Zwischendrin viel Natur, kleine Plantagen, Reisfelder, Erdbeerfelder, aber alles wird sehr traditionell bearbeitet. Außenrum sieht man diese beeindruckenden Berge, deren Form ich noch nirgends vorher gesehen hab.

An der letzten Haltestelle steigen wir aus, wo wir schon von unserem Privatchauffeur erwartet werden. Wir gehen quer durch diesen kleinen Ort, die Leute verkaufen ihre Sachen auf Straßen und Plätzen, neben den Straßen ein kleiner Kanal (ich will nicht wissen für was), es laufen Hühner und Gänse rum, anscheinend sollen wir hier unser Mittagessen bekommen. Aber irgendwie haben wir plötzlich gar keinen Hunger mehr wenn wir das alles sehen. Also gehen wir direkt zum Fluss, wo das kleine Boot schon auf uns wartet. Zuerst fahren wir flußaufwärts zu einem Wasserfall und vorbei an einigen Kormoranen. Dann gehts Richtung Yangshuo. Viele andere kleine Boote kommen uns entgegen oder überholen uns. Wir sitzen vorne auf einer kleinen Plattform in der Sonne und genießen den Blick auf diese faszinierende Berglandschaft. Schön in der Natur zu sein und vor den nächsten Wochen in der Betonstadt Shanghai noch gute Luft und natürliche Farben zu genießen! Auf dem Fluß sehen wir oft kleine Floße mit einheimischen Fischern, am Ufer weiden magere Kühe. Viel zu schnell ist die Fahrt vorbei, den Rest des Weges legen wir wieder im Bus zurück.

Yangshuo ist das touristischste, was wir bis jetzt hier gesehen haben. Überall westliche Reisegruppen, Straßen nur mit westlichen Restaurants ... sind wir in China?? Doch dann gibts auch diese Restaurants, wo alles auf der Karte steht: Hund, Schlange, Schnecke... ok, hier essen wir nicht! Da es viel zu heiß ist um irgendwas zu machen, sind wir natürlich nicht wirklich motiviert. In der Sonne kann man es echt nicht aushalten, als ziehen wir ein bisschen durch die Straßen, vorbei an Souvenirshops und Märkten, wo alles aus Seide verkauft wird. Klar, wir kaufen auch ein... In einem der Läden sieht man, wie sie die Seidenraupen aus dem Knäuel entfernen und dann in einigen Schritten verarbeiten. Es wär echt ganz nett hier und man könnte schon was machen, aber wir sind einfach zu fertig. Also relaxen, gemütlich leckere Shakes im Schatten genießen, und dann am Abend wieder zurück nach Guilin...
Blöderweise hat sich über Nacht mein Magen wir gemeldet, also gibts nur eingeschränktes Programm am letzten Tag. Wir fahren zum Seven Star Park, es ist wieder mal sehr heiß und der Schatten unter den Bäumen kommt gerade recht. Doch plötzlich sieht man wieder nur Chinesen, die Touristen schienen wie vom Erdboden verschluckt. Der Park ist echt schön angelegt, viel Wasser, viel grün, und dann gibts da auch einen Zoo, doch als wir sehen, unter welchen Verhältnisse der Pandabär haust, lassen wir das... als wir auf einer Bank sitzen, kommen wir uns irgendwie wie ein Teil des Zoos vor, wir werden angestarrt wie die Tiere in den Käfigen, für die Kinder sind wir die Attraktion des Tages... Vorbei am Kamelfelsen (der sieht wirklich so aus! Ob der natürlich ist, ist die nächste Frage) kommen wir an die Höhle, die wir noch besichtigen wollen. Es ist eine Tropfsteinhöhle, wie man sie bei uns auch findet, ziemlich groß und schon beeindruckend – aber wird sind in China, also werden die Formationen im Inneren von knallig buntem Neonlicht angestrahlt. Naja, gewöhnungsbedürftig, aber auch ganz coole Effekte!

Langsam geht der Urlaub zu Ende. Zum Abschluss dürfen wir uns im Taxi zum Flughafen noch das Album von den Backstreet Boys anhören – ok, über den chinesischen Musikgeschmack lässt sich streiten –, und dann gehts mit Juneyao Airlines zurück nach Shanghai – alles schön in lila gehalten, aber wir kommen an ;-) Ankunft in Shanghai, der Alltag hat uns wieder. Eine erlebnisreiche, schöne aber auch anstrengende Woche geht zu Ende...

Keine Kommentare: